Summerjam 2004 - Review

Dhm-Camp @ SummerjamZum 19ten Summerjam hatten sich am Wochenende vom 2. bis zum 4. Juli eine stilistisch gut durchgemischte Schar von ca. 45 Artists und Sounds sowie ein noch "abwechslungsreicheres" Publikum (etwa 15000) eingefunden; weiterhin Stände aller Art vom Tape-Dealer bis zum Verkäufer von mysteriösen "Energiebällchen"; Trommler, Tiere, T-Shirts (Favorit: "got mudd?") und die unvermeidlichen Sicherheitsdienstleister.


Wir trafen am Freitag abend nach staubedingter Verspätung gerade noch rechtzeitig ein, um auf der größeren der zwei Bühnen das geschmackvolle Jacket von Max Herre zu bewundern (eine Kategorie, in der ihm nur Ken Boothe den Rang ablaufen sollte). Während dort (nach der merkwürdigen Ankündigung des Conferenciers, im nächsten Jahr eine Bühne nur für deutschen HipHop zu reservieren - steht da eine Umbenennung in "SummerSplash" ins Haus?) der Dub-Urahn Lee Perry auftrat, begann auf der kleineren Bühne Lady Saw ihren sehr guten, aber recht kurzen Gig;Cecile einige Hits von "Big Ninja Bike" über "Eh Eh" bis zum obligatorischen "Healing" (leider ohne Beenie Man); Slackness in Massen und ein Wining Contest dreier Paare zu den Klängen von "Backshot" entsprachen den Erwartungen, zum Ende überraschte sie noch mit einem Tune für ihre kürzlich verstorbene Mutter.


Am zweiten Tag wurde zunächst das dhm-Camp inspiziert: klinisch sauber präsentierte sich der Zeltplatz, streng diszipliniert und aufs Wesentliche konzentriert die Anwesenden Board-Mitglieder.
T.O.K. Gegen halb sechs, nach einem hervorragenden Auftritt von Sanchez, lieferte "Badgal" Cecile einen nur / mindestens als routiniert zu bezeichnenden Gig ab, der die Massive wirkungsvoll vorglühte für die nachfolgenden T.O.K. Mit einer Vielzahl von Hits (Eagles Cry, Chi Chi Man, Keep It Blazing bis zu Unknown Language und wenig überraschend Gal Yuh A Lead, das als Openener fungierte) heimsten Sie Forwards in Serie ein und spielten ihr Talent voll aus.

Gefolgt wurden sie vom "Fireman" Capleton, dessen Gig von zwei Artists seiner David House Crew (Jah Thunder & Wer-war-das-noch-gleich...) eröffnet wurde, ehe er selbst zu "Jah Jah City" auf die Bühne sprintete und für ca. 110 Minuten eine hervorragende Show bot, inklusive durchaus spektakulärer Feuer-Artistik.Capleton

Während bei einsetzender Dunkelheit die Rasites aus UK und später die Abyssinians (Warrior King war leider eine der wenigen "No Shows" des Wochenendes) ruhig, souverän und dennoch druckvoll aufspielten und für entspannte Unterhaltung sorgten, begann auf der Main Stage der wohl am gespanntesten erwartete Auftritt des Festivals, das "Alliance"-Triple Wayne Marshall, Vybz Kartel und Bounty Killer.

Marshall betrat die Bühne mit frisch gekauftem Deutschland-Schal, konnte aber dennoch deutlich mehr überzeugen als die Nationalelf, mit Forwards u.a. für "Overcome" und "Legalize Ganja". Vybz Kartel präsentierte sich gut aufgelegt, fuhr mit "Please" den obligatorischen "Coolie Dance"-Forward ein, aber dseine keineswegs immer leicht verständlichen Lyrics, die bei ihm eine größere Rolle spielen als z.B. bei T.O.K., veranlassten das Publikum hingegen nicht immer zu lautstarker Resonanz; aber vor allem die Combinations mit Wayne Marshall waren Volltreffer auf ganzer Linie. CapletonZum Abschluss betrat dann Bounty Killer die Bühne; er wirkte sehr konzentriert und motiviert, griff auf seinen bis in die frühen 90er Jahre datierten "Classics catalogue" zurück, bat kurzfristig die Kollegen Angel Doolas und Hollow Point auf die Bühne (letzterer hätte als Sean Paul-Imitator für amüsante Missverständnisse sorgen können) und lieferte insgesamt einen der Höhepunkte des Festivals, gekrönt von der abschließenden Combination mit Wayne Marshall und Vybz Kartel.
Wayne Marshall

Silver Cat leistete am frühen Sonntagabend das Warmup für Summerjam-Stammgast Beenie Man, der sich ebenso wie Bounty Killer am Vorabend in guter Form zeigte, Hits ohne Pause performte und noch von Babyface bei "Pride & Joy" und seinem Bruder "Little Kirk" Davis unterstützt wurde. Auf der kleineren Bühne trat zeitgleich die Studio One-Legende Ken Boothe auf; gebackt von der Court Jester's Crew zeigte er ein phantastisches Programm, inklusive des 70er Jahre-Hits "Speak Softly Love", den er dem zwei Tage zuvor verstorbenen Marlon Brando widmete. Bounty KillerStimmlich top-a-top, teilweise ausgelassen und immer soulful vielleicht das Highlight des Wochenendes (und Gratulation an alle Sounds, die das Glück hatten, von dem Mann in Sentinels improvisiertem Dub-Studio Plates aufzunehmen).
Auf der großen Bühne wurde das Festival schließlich vom "Messenger" Luciano beschlossen, unterstützt von Mikey General und dem phantastischen Dean Fraser, der dem Main Act mit seiner großartigen Saxophon-Version von Bob Marleys "Redemption Song" fast die Show stahl. Wir verließene dieses Konzert allerdings verfrüht, um am anderen Ende der Festival Insel auf einem "Groß"bildfernseher zuzusehen, wie Portugal gegen die deutscher als Deutschland spielenden Griechen verlor - umgeben von einer EM-Massive, die man in schonungsloser Offenheit als "biased" bezeichnen muss.

MassiveFazit: einige Programmänderungen hätten deutlicher und früher bekannt gegeben werden können, und fürs nächste Jahr wünscht man sich eine etwas weniger stiefmütterliche Behandlung der SoundSystem-Szene, aber insgesamt ein schönes Festival, vielfältig im (Rahmen-)Programm und vor allem: musikalisch auf hohem bis höchsten Niveau.




[ Bilder des dhm-forum-Camps von mr. ulee s. ]

[ Bilder bei claat.com ]


Posted by bass at 08.07.04 18:51 | TrackBack