Splash! 2k4 – Im Osten geht die Sonne auf…

splashDonnerstag Abend. Sanfte Rhythmen begleiteten uns auf dem Weg zum siebten Splash!, als wir uns kurz nach Erreichen des Örtchens Oberrabenstein mit sechs Beamten und der Frage “Wie sieht’s ‘n aus mit Betäubungsmitteln?” konfrontiert sahen. Da meiner Antwort kein Glaube geschenkt wurde, durchsuchten die netten Damen und Herren der örtlichen Polizei mein gesamtes Auto inklusive Luftfilter und Motorraum. Sichtlich enttäuscht darüber, dass nichts zu finden war, ließen uns die Beamten nach ca. 30 Minuten weiterfahren.

An sich wäre dies nicht weiter schlimm, jedoch sollte nach Aussage eines Mitarbeiters der Phlatline-Agentur der Schalter für die Ausgabe der Festival-Bändchen um null Uhr schließen, uns blieben also nur noch 20 Minuten Zeit. Nach einem erschöpfenden Fußmarsch wendete sich dann doch alles zum guten und wir konnten in aller Ruhe unsere Zelte aufschlagen.

So viel zum etwas ärgerlichen Start, der uns die Lust aufs Splash! nicht nehmen konnte. Am Freitag zog uns die Sonne schon sehr früh aus dem Zelt, was uns die Möglichkeit bot, den letzten „Feinschliff-Arbeiten“ auf dem Festivalgelände beizuwohnen. Alles schien recht gut organisiert, und so langsam stellte sich auch bei uns richtiges Festival-feeling ein. Das line-up versprach Gutes und diese Vorahnung sollte nicht enttäuscht werden.

Den Anfang machte Lazy Youth, der eine – nicht nur für die Fans des dt. Dancehall-Reggae – gute show lieferte, wobei große Teile der Festivalbesucher noch damit beschäftigt waren, das Gelände zu erkunden. Hawkeye überzeugte wenig später mit einer performance, bei der man der sich zunehmend vor der Riddim-stage eingefundenen dancehall-massive das ein oder andere Funkeln im Auge beobachten konnte. Wir gönnten uns eine kurze Auszeit, denn für uns war klar, dass die “fast-Stammgäste” des Splash!, Chico und Ce’cile, Garanten für gute Unterhaltung sind, was sich nach Aussagen des Publikums bestätigte.
Pünktlich zu den Höhepunkten des ersten Tages fanden wir uns wieder vor der Riddim Bühne ein, es war Zeit für Baby Cham.Baby Cham Dieser glänzte durch eine performance, die energiegeladener nicht hätte sein können. Die Masse war fest in seiner Hand, Cham bot alle erdenklichen bad man anthems und krönte die show mit einer Darbietung des Marley-Klassikers „Redemption song“, bei welchem nahezu jeder Reggaefan vor der Bühne einstimmte.
Das finale grande am Freitag war die Bühnenpräsenz des „Jah messenger“, Luciano. Angenehmer hätte der Abschluss nicht sein können. Mit u.a. Mikey General im Schlepptau wurde es beim sanften Gesang des Rastas jedem Reggae-Jünger, der sich an diesem Abend am Stausee Oberrabenstein eingefunden hatte, warm ums Herz. Luciano machte keineswegs einen müden Eindruck, sondern sprang euphorisch auf der Bühne umher. Die Klimax wurde durch den tune „Guess what’s happening“ erreicht, bei dem er sich selbst auf der Gitarre begleitete.

Der live-Part neigte sich dem Ende entgegen, und die ersten Tanzwütigen strömten ins Dancehall-Zelt, das für diesen Abend den Lokalmatador Phlatline Sound und die Nr. 1 der dt. Soundsystems (laut Riddim-Leser Poll), Pow Pow Movement auf dem Programm stehen hatte. Beide lieferten ein unterhaltsames bashment-Programm, auch wenn ich mir persönlich mehr erhofft hatte, da beide Sounds ein großes Potential besitzen und davon nur wenig zu hören war. Das Publikum jedoch zeigte sich sichtlich zufrieden und tanzte bis in die frühen Morgenstunden.

Nach einem ausgedehnten Frühstück am Zelt beschlossen wir, den Samstag etwas ruhiger zu gestalten, da einem die Sonne ganz schön zu schaffen machte und die Veranstalter Freitag Abend spontan entschieden, uns den Backstage-Zutritt an der Reggae Bühne zu verwähren. Das sollte nicht heißen, dass uns die Möglichkeit genommen wurde, Interviews zu führen. Denn es gab ja den Pressebereich direkt hinter der Hip-Hop Bühne, also einmal quer durch das Festival-Gelände. Selbstverständlich verirrte sich während der gesamten 3 Tage nicht ein Reggae-artist dort hin. Wir wurden also bezüglich der Interviews an den Pressechef verwiesen, der uns Termine für Renaissance Disco, Sanchez und Cocoa Tea zusicherte. Aufgrund fehlender Betreuung seitens der Verantwortlichen kam nicht ein Interview zustande. Auch nach mehrfacher Bitte um Zutritt zum Reggae-backstage wurden wir noch immer freundlich zum Pressezelt verwiesen, in dem außer der Meldung, dass Lady Saw und Burro Banton wohl nicht zum Festival erscheinen werden, nichts zu erfahren war.
Als Ersatz für die beiden Ausfälle sprang – woher auch immer – Red Rat ein, der auch der erste Artist am Samstag war, dessen show wir beiwohnten. Mit wenig Neuem, dafür voller Energie konnte er viele der auf Burro und Lady Saw wartenden über deren Nichterscheinen hinwegtrösten. Wayne Marshall brachte mit seinem „ich-sing-heut-alles-was-ihr-kennt“-Programm auch bei uns die gute Laune zurück und so gab er neben seinen großen Hits und ganja-Hymnen auch Stücke von u.a. Barrington Levy und Bob Marley zum Besten. Die überaus gute performance des Marshall ließ die Vorfreude auf den Dread, den viele noch als bad-man mit gun lyrics in Erinnerung haben dürften: Spragga Benz, so gar nicht mehr der Alte, dafür aber mit einer durchaus mitreißenden Darbietung, zog alle in seinen Bann.Spragga BenzRed Square sorgten einleitend für die richtige Stimmung und als Spragga Benz die Bühne betrat, fand das Splash! 2004 seinen nächsten Höhepunkt. Aufgrund des sehr roots- lastigen Programms sah man hier und da zwar einen dancehall-fan auf alte tunes hoffen, am Ende störte es jedoch keinen, dass diese ausblieben. Top show!

Nach einer kleinen Stärkung machten wir uns auf zum dancehall tent, in erwartungsvoller Haltung auf Renaissance Disco, dem Sound um Delano, der das remixen neu definiert hat. Weiterhin auf dem Plan Soundquake und Sentinel, die beiden dt. Top-Sounds, die sich demnächst im Clash gegenüberstehen. An diesem Abend jedoch lief alles friedlich ab, beide Sounds überzeugten durch gute selections und brachten das durch die Massen sehr stickige Zelt zum Kochen. Renaissance hingegen wurden den Erwartungen nur zum Teil gerecht, was daran gelegen haben könnte, dass zwei junge Damen aus Chemnitz sehr leicht bekleidet die Bühne eroberten und durch eine Tanzperformance zu glänzen versuchten. Ob das gefällt ist Ansichtssache, jedenfals hatte ich den Eindruck, das dies den Spielfluss der Yardies störte, die auch nicht mehr wirklich zu diesem zurückfanden.

Am meisten Vorfreude bereitete uns das line-up des letzten Tages des mit knapp 20.000 Gästen nicht ganz so gut besuchten festivals. Singers galore, und das Wetter sollte dieses Jahr keinen Strich durch die Rechnung machen. Die erste Meldung des Tages, die die Absage der Königin des Reggae, Marcia Griffiths, bestätigte, ließ zwar eine Träne über die Wange fließen, der Rest des Programms jedoch war zugesichert und las sich auch ohne sister Marcia noch wie das who is who der Reggae-Singer.
Eingeleitet wurde der Sonntag durch Taffari, der die wenigen der Sonne trotzenden gut unterhielt. Seine rootsige Stimme war die gelungene Einstimmung auf einen sonnigen Reggae-Tag am See. Es folgte D-Flame, der sich Mühe gab, die von der Hälfte der Audienz gewürdigt wurde. Viele andere jedoch waren nicht ganz so angetan von der durchaus guten Performance des einzigen deutschsprachigen artist des Tages. Aufgrund der Verspätung von Lukie D änderte sich das Programm, und die Bühnenvorbereitungen für Cocoa Tea samt Anhang wurden getroffen. Der Ablauf änderte sich, nicht jedoch die Spielzeit des Singers mit der süßesten Stimme. Nach Chrisinti und Iley Dread, die mit der Darbietung ihrer bekannten Stücke einige Zeit in Anspruch nahmen, blieb für den Rasta aus Clarendon nur noch Zeit für 5-6 Titel.<Cocoa TeaDiese, allesamt nicht viel länger als eine Strophe, ließen zwar das Herz höher schlagen, die Stimmen des Publikums jedoch stimmten alle zu, dass die Zeit, die Mr. Scott auf der Bühne zubrachte, viel zu kurz war.
Ladykiller Sanchez hingegen hatte mehr Zeit, nicht nur die Herzen der Frauen zu erobern, die man zuweilen aufgrund seiner seidigen Stimme dahinschmelzen sah, sondern die ganze Massive in Hypnose zu versetzen. Ich hatte den Eindruck, als konnten 70% der anwesenden nahezu alle Songs mitsingen, sehr zur Freude des zugegebenermaßen – wie erwartet – chique gekleideten singers. Während der show von Lukie D, der dann schließlich auch das Gelände erreichte, gönnten wir uns eine Pause am Zelt, um später gut gestärkt dem Finale entgegenzufiebern.
BeresDer Meister persönlich, Mr. Beres Hammond inklusive der Harmony House Band und Ginger, einem recht jungen, doch sehr talentierten artist: einen besseren Abschluss hätte man wahrlich nur durch die Wiedergeburt von Garnett Silk oder Dennis Brown erreichen können. Alle Hits von Rock away über They gonna talk, Step aside, Pull it up hin zu Can’t stop a man begleitet von Publikums-Chor vor der Bühne. „My family“, so betitelte Beres die extatische Menge aus Feuerzeugen und fröhlich dreinblickenden Reggaefans. Für uns definitiv (neben Busta Rhymes) das Highlight des diesjährigen Splash! Festivals.

Supersonic Sound sorgte mit einem sehr schönen Set für den Ausklang des Ganzen. Wir gaben uns noch einige Minuten den dubplates des Berliner Gespanns um Panza und Spider hin und traten die Heimreise an.
Zusammenfassend war dies ein sehr angenehmer Ausflug, das Festival wie immer recht gut strukturiert. Kritik gilt an dieser Stelle nur den Pressebetreuern und Verantwortlichen. Mein Ziel war es, ein-zwei gute Interviews zu führen, doch es kam nach Zusicherung der Termine zu keinem einzigen. Es war schade, zu sehen, dass dies in der Organisation einfach nicht bedacht wurde, beziehungsweise wurde man diesbezüglich einfach im (nicht vorhandenen) Regen stehen gelassen.

Damelicious für dancehallmusic.de