Supersonic steppin hotter this year – Riddim-Clash Rundown

Supersonic, Bild von supersonic-sound.deSupersonic aus Berlin haben den zweiten Riddim-Clash in München gewonnen. MC Spider und Selector Panza konnten sich im Dub Fi Dub knapp gegen One Love Hi Pawa aus Italien durchsetzen. Freddy Krueger war nach der zweiten Runde ausgeschieden. Nach der dritten Runde verkündete der Host Dr. RingDing, dass nach den Regeln sowohl Supersonic (Playback von “Reggae Ambassador”) als auch Ricky Trooper (Single von Abba) eigentlich ausgeschieden seien; das Publikum entschied daraufhin, dass Supersonic im Dub Fi Dub antreten sollten.
Glückwunsch nach Berlin!

Rundown:


21h30 am 15.10.04, wir betreten die Ruhmeshallen neuer dt. Clash-Kultur in voller Erwartung auf einen spannenden wie unterhaltsamen Abend. Das RIDDIM-Magazin hat zum 2. internationalen Clash in Deutschland keine Kosten und Muehen gescheut, erneut Geschichte zu schreiben. So hieß es an diesem Abend Ricky Trooper (Ex-Killamanjaro (JA)) vs. Freddie Krueger (Ex-Killamanjaro (JA)) vs. One Love Hi Powa (Italien) vs. Supersonic Sound (Berlin).
Vielversprechender haette das Line-up kaum sein koennen, denn zum einen traten die beiden Ex-Killamanjaro Selectors das erste mal gegeneinander an, zum anderen hatte One Love sicher das Verlangen, nach dem so knapp verlorenen World Clash vor einer Woche in NY, endlich einen Titel zu holen. Auch die Crew um Panza und Spider ging nicht unmotiviert in den Clash, denn Freddy Krueger nahm ihnen ja mit Regular-juggling den Titel beim 45-Clash in Wuppertal foermlich aus den Haenden. Spannung war also garantiert…
Mighty MokeFuer angenehme Vibes sorge zunaechst Mighty Moke plus Cousin, formally known as Soundplex Sound (Long Island, NY). Pure niceness und abschließend auch ein paar exclusive Specials von u.a. Richie Spice, Chuck Fender oder Jah Cure stimmten die hereinstroemenden Clash-hungrigen auf das Bevorstehende ein und ich nutzte die Zeit fuer einige Statements von Supersonics Selector Panza. Dieser schien sichtlich gut gelaunt und vorbereitet und ueberzeugt, an diesem Abend die Halle als Sieger zu verlassen. Auch Lampa Dread, seines Zeichens Selector und Boss von One Love Hi Powa gab mir zu verstehen, dass es diesmal Zeit fuer eine Trophy wird, und der Sound aus Rom den Status des “ewig Zweiten” abgeben moechte.

The war starts…
Der Host des Abends, Dr. Ring Ding betrat die Buehne und stellte die Partizipanten vor, erklaerte die Rundenzeiten und Regeln: 15min. introduction / 15min. – 1st sound out / 15min. 2nd sound out / 10dfd Finale. Striclty dubplates und kein Playback.
Dr RingDingDen Anfang machte Supersonic, ohne große Worte mit Buju Banton “Supersonic time”. Von Beginn an sehr druckvoll folgten 3rd World mit “96 degrees in the shade”, und die erste Speech von Spider gegen Ricky Trooper” Seit dem Weggang von Jaro habe ich so oft auf Dich gesetzt und immer mein Geld verloren…” wurde unterstrichen von Bob Andy ls. Marcia Griffiths “Really together”. Die Berliner zeigten von Anfang an, dass ihnen in Sachen Foundation so schnell keiner etwas vormachen sollte. Luciano, Lloyd Browns “Main squeeze” in Combination mit Sanchez und dann der erste große Forward fuer Richie Spice´s Clash-anthem “Earth a run red”. Spider schien sich in der ersten Runde nur Ricky Trooper zu widmen, nach Tanya Stephens “It´s a pitty” schlossen die Lokalmatadoren ihre erste Runde mit einigen Chuck Fender , Jah Cure´s “King in the jungle”, dem offiziellen Supersonic Anthem, (Glen Washington “Victory”) und der dt. #1, Gentleman “Superior” ab – der groeßte Forward bis dahin. Solide erste Runde von Supersonic.
Zeit fuer Ricky “Serial killer” Trooper, der den Dance allein bestritt, und die Audienz mit “I´m gonna kill those motherfuckers” begrueßte. Intro wie ueblich Tanya Stephens “What a clash”, ein Bob Marley Cover, gefolgt von Shinehead auf Billie Jean. Bis dahin wenig speech, ausser “everything a go dead tonight”, die er mit einer Counteraction auf Supersonics Richie Spice zu manifestieren schien. Sichtlich auf das Deutsche Publikum eingestellt fuehrte er sein set mit so gar nicht Trooper-ueblichen Tunes a la Morgan Heritage “Liberation” u. Ras Shiloh “Onto Zion” fort, konnte damit jedoch nur wenig Punkten. Schließlich noch ein paar Trooper-originals, wie Bushmans “Fire bun a weak heart” auf General, Jr. Byles “Fade away” anthem, sowie Sizzla mit “one away” und Anthony B´s “Raid di barn”. Alles in allem weniger Power als Supersonic.

One Love machten zunaechst nicht den Eindruck, gewinnen zu wollen. Nach einem Intro aus “Der Pate” folgten sehr dezent Buju Banton, Natty King´s “Guns to town” und ein Capleton, den ich aufgrund des relativ schlechten Sounds vor der Buehne kaum verstand. Auch die beiden hochgeschaetzten Newcomer I-Wayne (“Can´t satisfy her”) und Bascom X konnten die Stimmung nur wenig heben. Jah Cure´s “bless me” dagegen brachte One Love den ersten echten forward, waehrend es bei dem folgenden Sizzla (“Mash dem down”) schon die ersten Plastikbecher regnete. Schließlich Capleton´s “Jah Jah city” und Buju Banton´s Killer “Champion”, der dem Publikum noch einmal lautstarke Reaktionen entlockte. Meiner Meinung nach bis dahin gute Tunes, jedoch von der Performance her nicht wirklich auf World-champion Niveau.
Die wohl alle am meisten beschaeftigende Frage war die nach der Box von Freddy Krueger, dessen solo-Karriere ja erst vor ca. 2 Monaten mit der “fristlosen Kuendigung” von Killamanjaro begann. Konnte er den Erwartungen gerecht werden? Nun, zumindest gut eingestellt auf das, was er aus Deutschland kennt, startete der Ex-Jaro Schreihals mit ARP´s “Lions king”. Danach einer der nicesten Tunes des Abends, Chuck Fender mit “Oh my lord” auf dem alle Gefuehlsebenen durchdringenden Soulfood Riddim, brachte erste kleinere forwards. Die konnte er jedoch nicht halten, Gregory Isaacs “Night Nurse” floppte und selbst Lloyd Parks “Mafia” brachte nicht den gewuenschten Erfolg. Dem in meinen Augen recht splice-verdaechtigen Beres Hammond regular “Can´t stop a man” flogte Seeed´s “Release” und ein Gentleman Fehler mit dem Anspielen von “Superior” kamen die ersten serioesen ´buuuhs´ und es schien nicht gut auszusehen fuer den, der vor der 45-Pleite in Wuppertal noch viele Fans in Deutschland hatte.

Soviel zur ausfuehrlichen ersten Runde, die fuer mich am spannendsten war,… Es zeichnete sich schon ein etwaiger Verlauf des Abends ab.
Supersonic bestens geruestet und gut vorbereitet zurueck mit einer Counteraction auf Freddy Krueger´s Seeed, dann Custom-made galore mit u.a. TOK´s “Fire Fire”, sowie Vybz Kartell, Preditah, und Red Fox & Naturalee,…straight forward, dazwischen mehr Kartell, Bounty´s “Dead this time” und Buju´s “It´s all over” gg. Freddy Krueger.
Trooper hatte sichtlich Probleme mit dem CD-Player und tat sich schwer, tunes aus seiner Mappe herauszusuchen, Buccaneer´s “Nah run away” funktionierte noch gut, danach eher regular juggling, wenig Speeches, ausser einer Counteraction auf Spider im Sinne von: Clash ist kein Pferderennen, also warum wetten abschließen… Es liefen Everton Blender, Kartell. Trooper versuchte weiterhin, das Publikum fuer sich zu gewinnen, meinte, Supersonic haetten 2 Tunes doppelt gespielt, was nicht stimmte, da beides Counteractions waren. Troopers 2. Runde war also nicht von Erfolg gekroent..
Italiens finest, One Love starteten energischer und motivierter als in der ersten Runde, droppten den ersten Ninjaman des Abends, der gut ankam. Auch einige andere Tunes konnten dem Namen One Love gerecht werden, jedoch verfielen die Roemer schnell wieder dem Juggling und selbst Deutsche Sure Shots wie Burro Banton´s “Bum wah dis” oder Uton Green´s “Can´t take” konnten das Publikum nicht ueberdurchschnittlich mitreißen. Gut, in meinen Augen waren sie besser geordnet als Trooper, jedoch fehlte den froehlichen Suedlaendern zuweilen die Clash-Stimmung und ein faehiger MC, der nicht den ohnehin schlechten Sound (die anderen beiden vorher hatten das Set nun besser im Griff) noch schreiend uebertoent.
Nun, Freddy Krueger war in seiner ersten Runde ja nicht wirklich damit beschaeftigt, Symphathien zu sammeln, so stand fuer viele schon fest, das er der erste sein wuerde, der gehen muss. Er erntete zunehmend weniger Respekt von der Massive, dubiose Tunes wie Jr. Gong´s “More justice” oder Bounty Killer´s “Stainless” ernteten trotzdem Freddys Name nicht darin vorkam, noch einige Forwards, die dann jedoch mit Anthony B. u. co. immer weniger wurden. Erwaehnenswert war noch Beenie Man mit “Too bad mind” und ein erneutes Marley-cover (Candyman), jedoch war der groeßte Forward fuer Freddy Krueger an diesem Abend wohl die Frage, ob er gehen oder bleiben soll. Massive buuh-Rufe gg. “Miss Marketwoman”, der im letzten Jahr mit Killamanjaro in Muenchen noch einen Sieg verbuchen konnte, fuehrten dazu, dass er klar raus war.

SupersonicDie Zustimmung des Publikums und das nun erstarkte Selbstvertrauen von Spider dessen Wunsch es vor dem Clash war, “laenger im Clash zu bleiben, als Freddy Krueger, resultierten zu Beginn der 3. Runde in einer Performance von Weltniveau. Supersonic zeigte klar, das sie faehig waren, es mit jedem der Teilnehmer aufzunehmen, und so sorgten Tunes wie “God pickney” von Admiral Bailey , Chaka Demus n Pliers Murder she wrote oder Max Romeo´s all time Classic “Chase the devil” fuer gute Forwards und Stimmung unter dem Volk…

In manchen Ecken der Halle kam es nun zu kontroversen Diskussionen um “Reggae Ambassador” von Third World, der wohl eher schonmal gespielt wurde. Meine Erinnerung gab her, dass der Tune am Ende einer One Love Runde angspielt wurde, jedoch waere auch das Playback, also nach Regeln Disqualifikation. Ricky Trooper kam erneut zum Zug und hielt die angeregten Unterhaltungen aufrecht, indem er sich Spider zuwandt, ihn mit seiner Speech aus der ersten Runde zum Glen Washington “Trooper, Du hast keine Hymne — mit verweis auf die Supersonic Hymne “Victory” konfrontierte und daraufhin das A-Teens Cover von Abba, “Super Trooper” als sein Anthem spielte.
Spiderzeigte dem Publikum das Cover der Platte, offensichtlich kein Dubplate, also fuer Trooper ebenfals das Aus.
Ricky TrooperTrooper danach verwirrt auf der Suche nach Tunes, noch ein Bounty Killer auf dem gleichen technoiden Riddim wie “Super Trooper”. Naja, wenigstens hatte man noch die Gelegenheit, die 3 Jr. Cat aus einschlaegigen Clash-serien von Sound Trooper , sowie eine in der Ratlosigkeit des Publikums ueber die 2 Regelverstoeße untergegangene Combination von Beenie Man und Janet Jackson zu hoeren. Troopers Lobhymnen auf das Deutsche Publikum und ein “Diesen Gentleman kann nur Sound Trooper spielen” (“Rumours”) halfen da leider auch nicht viel. Er fand keinen rechten Draht mehr zum Publikum und die Tuecken der Technik taten ihr Uebriges.
Den groeßten Teil der 3. Runde der Italiener habe ich dann fuer eine kurze Pause an der frischen Luft genutzt, da an sich klar war, das zumindest einer der beiden anderen noch verbliebenen Sounds disqualifiziert werden wuerde. Draussen angekommen, hoerte sich das One Love Set auch eher an wie gemuetliches Donnerstags-Juggling. Diwali u.ae. , gut.. noch ein Jah Cure und Ini Kamoze´s “Here comes the hotstepper”, ansonsten schien es jedoch fuer One Love auch klar, das sie weiter sind.

Dr. Ring Ding verkuendete, dass klar One Love weiter ist und, da die anderen beiden Regelverstoeße begangen haben, galt es nun herauszufinden, wer mit One Love das Finale zu bestreiten hatte. Fuer das Publikum war das spaetestens nach der dritten Runde klar Supersonic und so konnte Ricky Trooper, dessen letzte Worte in Erklaerungen und gar lieblichen Gesang um “Super Trooper” ausarteten, auch einen Flug eher nehmen. Nachdem sich der Host noch einmal freundlich fuer die “kreative 30s Ansprache” von Ricky Trooper bedankte, laeutete der Gong zur letzten Runde, das Tune fe Tune.

Supersonic startete gut durch mit einer Counteraction auf One Love´s Ini Kamoze (Ini Kamoze“Supersonic steps hotter this year”.One Love schwach (Buju Banton“One to one”). Supersonic griff nun tiefer in die Kiste und trumpfte mit Dobby Dobson“Loving pauper” erneut gegen die (verzweifelten) Versuche von One Love, die Massive mit Alt-Bekanntem fuer sich zu gewinnen (Errol Dunkley“Black cinderella”). Die Berliner punkten wieder mit dem erst kuerzlich verstorbenen Barry Brown (“Far East”) gegen einen zwar guten J. Osbourne (“No Ice cream sound” auf Cuss Cuss), der jedoch von der massive nur auf nur wenig Reaktion stiess. Ini Kamoze gegen J. Osbourne / Samy Dread brachte One Love den ersten Punkt, Supersonic jeoch cruisten von da an dem Sieg entgegen mit mehr Dobby Dobson, Ken Boothe, Marcia Griffiths / Bob Andy oder auch Justin Hinds´“Sinners”. Die Forwards fuer One Love waren zwar da, fuer U-Roy, Johnny Clarke, Alton Ellis oder John Holt waren jedoch der Deutsche Anspruch an einen World-clash Zweiten zu hoch. Einzig ein Dubplate von Steel Pulse konnte das Ergebnis der Crew um Lampa Dread noch aufbessern und wurde deutlich besser gewertet als “Territory” von Hopeton Lindo.
Der letzte tune, den Spider an diesem Abend offiziell anzukuendigen hatte, haette treffender nicht sein koennen (Culture“Not ashame), denn die in besagter Nacht seit langem mal wieder vollstaendige Crew aus der Bundeshauptstadt brauchte sich tatsaechlich nicht schaemen und dominierte den Abend ueber weite Strecken sicher. Dagegen klang One Love´s “Holding firm” von Sizzla mehr eine Danksagung an das Deutsche Publikum fuer den netten Abend und zumindest in der Ecke, in der ich stand war zu dem Zeitpunkt alles klar.

Die Entscheidung jedoch war dann doch nochmal recht sticky und es musste 3x nachgefragt werden, bis es entgueltig war: Die Trophy sollte in Deutschland bleiben, Herzlichen Glueckwunsch seitens www.dancehallmusic.de an Supersonic Sound!!

Abschließend sei positiv zu erwaehnen, das der clash bis auf den teilweise nur maeßigen Sound gut organisiert war (den Stream bekommt man sicher beim naechsten mal auch noch besser hin), und meiner Meinung nach die Deutsche Clash-Kultur so gar nicht mehr in den Kinderschuhen steckt. Members des amerikanischen forum sprechen sogar ueber das “Abgeben der Krone” von NY an Deutschland und Europa im allgemeinen, denn auch Sounds wie One Love stellen immer haeufiger unter Beweis, dass es in unseren Breitengraden nicht wenige gibt, die Reggae lieben, studieren und es auch verstehen, diese Musik wuerdig darzubieten. Die Massive wird zunehmend kompetenter und so macht es -wenn die Sounds in guter Form auflaufen- mittlerweile richtig Spaß, in Deutschland einen Clash zu besuchen. Bleiben wir also gespannt auf weitere Events dieser Art und Groeßenordnung.

Supersonic
Vielen Dank an Pete Lilly und die RIDDIM-Redaktion sowie alle Besucher aus nah und fern, ohne die der Clash nicht moeglich gewesen waere.

Danny Mellenthin fuer www.dancehallmusic.de

[ Diskussion im Forum ]