45 Shootout

Madhouse-LabelIm Jahr 1985 hielten mit dem Sleng Teng-Riddim digitale Sounds Einzug in die Dancehall. Top-Produzent Dave Kelly setzt mit seinem neuen “Eighty Five“-Riddim (Madhouse) dem Jahr, dem Sound und irgendwie auch Sleng Teng ein Denkmal. Mit ein paar Hintergrundklängen verziert klingt der Riddim mit seinem bratzigem Bass-Sound eigentlich so, als würde eine Sleng Teng-Version mit dem Mischpult-Fader auf den klassischen Hardcore-Rhythmus getrimmt.

Wie bei Dave Kelly-Riddims üblich wird der Riddim angeführt von zwei Baby Cham-Tunes, dem slicken “Bring It On” und dem kontroversen “Ghetto Story”, in dem der DJ aus seinem früheren Alltag in Waterhouse, Kingston berichtet (“I remember those days when hell was my home…“). Mit dabei ist auch Veteran Pinchers mit dem hervorragenden “Desperate Scenario” und, ebenfalls mit zwei Tunes, Spice, die inzwischen auch zum Madhouse-Lager gehört. Möglicherweise mit Schalk im Nacken hat Kelly außerdem Assassin mit “Anywhere You Go” gevoict, also genau den DJ, der zu Beginn seiner Karriere Cham zum Verwechseln ähnlich klang. Und schließlich ist auch noch, man höre und staune, eine Version von “King” Yellowman im Anflug, den man ewig nicht auf Dancehall-Produktionen hörte und der trotz eindeutiger stimmlicher Alterungserscheinungen einen durchaus mitreißenden Tune abliefert. Der Riddim fürs nächste Halbjahr.

Studio 2000-LabelMit einiger Verspätung erscheint dieser Tage auch der Old Truck-Riddim (Studio 2000) von Steely & Clevie (während der nächste Riddim der beiden, “Viagra”, bereits als Promo im Umlauf ist). Ganz im Sinne des Vorgängers “Sleepy Dog” ist der Riddim auch Retro gehalten, von Snares und Drumrolls angetrieben und mit Flöte im Hintergrund aufgepeppt; der Boss-Tune kommt klar von Assassin, der sich bei “Rip It Up” in Top-Form zeigt. Ebenfalls sehr gelungen ist die Version von Buju Banton.

Cardiff Butt a.k.a. General Degree hat mit Harbour Shark (Pretty Boy) einen ‘neuen’ Riddim im Angebot, der allerdings sehr an seinen Erfolgsriddim “Arrow” aus dem Jahr 2000 erinnert. Mit seinem flockigen, leicht Soca-assoziiertem Rhythmus macht er dennoch gut Laune und hat mit Lady G, M’lonie, Hawkeye und Degree selbst gute Versions im Angebot.

Enttäuschung des Monats ist der Rave-Riddim (Kings of Kings / High Society) von Cordell ‘Scatta Burrell. Der leicht technoide Up-Tempo Style erscheint mir definitiv gegessen (wenn auch zu hören ist, dass der neue Fire Links-Riddim “Global”, so eindeutig Techno wie nichts davor, auf Jamaica Forwards ohne Ende einfährt…). Wer dergleichen Material noch sucht macht allerdings mit dem Riddim sicher nichts verkehrt und sollte vor allem die Version von Lukie D nicht stehen lassen.

Damani ‘DJ Karim’ Thompson veröffentlicht mit dem Critical (Stainless) nach “20 Dollar A Bunch” erneut einen Gitarrenbasierten Riddim, dieser allerdings in deutlich ruhigerem Fahrwasser und mit interessanter Besetzung (u.a. Bascom X, Busy Signal & Flava Unit sowie Spragga Benz). Ausgestochen wird er allerdings von der Passion-Selection (NAP), ebenfalls mit Gitarre, sehr melodiös und im üblichen Lovers-Stil. Gelungene Versions kommen von Daville, Don Yute und Luciano.

Letzterer ist auch auf der neuen Downsound-Selection “Reflections” vertreten. Diese basiert auf Jah Cure‘s aktuellem Hit “Reflection”, und Luciano liefert denn auch die Answer-Version (“Behind those prison walls i know you’re hurting…“). Auch mit dabei sind Junior Kelly und Anthony B, weitere Versions dürften folgen, und dem Riddim Hit-Potential zu attestieren ist kein Außenseiter-Tip.