Clashtime in Enschede – War Ina East Pt.2

Vier Sounds stellten sich wieder dem musikalischen Krieg, der in Enschede, NL nach sehr strikten Regeln ausgeführt wird.

Der Vorjahressieger Cool Rock aus Amsterdam trat an, seine Trophäe gegen Wild Pitch aus Gütersloh, Ras-Bas Sound aus Gröneingen sowie Citylock aus Berlin zu verteidigen. Obwohl zwei Sounds aus Holland und zwei Sounds aus Deutschland kamen, ging es von Beginn an nicht um einen Kampf Deutschland gegen die Niederlande, sondern Sound gegen Sound.

Aus Enschede berichtet SWS.
Die erste Runde eröffnete Titelverteidiger Cool Rock als One-Man-Sound und drehte bereits ordentlich auf. Bereits in der ersten Runde, die 10 Minuten dauern und keine Elimination zur Folge haben sollte, spielte er mehrer custom tunes und überzeugte durch clashtaugliche, aber respektvolle Speeches. Zu mindest von Seiten der anderen Sounds brachte ihm dies einigen Respekt ein, während das Publikum eher ungerührt blieb.

Zweiter Sound war Citylock. Die Berliner hatten sich bereits vorher eine Reihenfolge überlegt, in der sie ihre Gegner eliminieren wollten und fingen auch dementsprechend an. Erstes Ziel sollte Wild Pitch sein, die es ihrer Meinung nach nicht verdient hatten auf diesem Clash anzutreten. Nach einem Intro vom Soweto Gospel Chor heizten auch Citylock mit einigen customs die Stimmung auf und hatten, durch eine Busladung voller lautstarker Anhänger, auch die entsprechende Unterstützung im Publikum. Laute “Wild Bitch”-Rufe wechselten sich mit Trillerpfeifenkonzerten und einer gigantischen Feuershow ab. Dies führte sofort zu einem Torchverbot, welches durch die Hausherren auch im weiteren Verlauf durchgesetzt wurde.

Als Dritte gingen Ras-Bas Sound ins Rennen. Zumindest für die meisten mitgereisten Deutschen Anhänger eine Unbekannte hatten sie doch eine nicht minder große und lautstarke Kampftruppe zur Unterstützung dabei als Citylock. Die Runde von Ras-Bas zeichnete sich besonders durch hervorragende tunes und eine solide Performance am Mic aus. Der Selecta allerdings war wohl etwas müde und hat auf keines der Zeichen seines MCs reagiert, bis dieser selbst zum Tonarm griff und die Nadel vom Vinyl hob. Derartige Koordinationsprobleme zogen sich durch alle Ras-Bas Runden. So wurden die wirklich guten tunes oft durch eine Spieldauer von 2-3 Minuten und schlechte Übergänge (soll heißen die Massive musste fast immer einige Sekunden auf den nächsten tune warten) herabgewertet.

Wild Pitch beschlossen als vermeintlich Clash-unerfahrenster Sound die Einführungsrunde. Die Runde schien deshalb ein wenig misslungen, da es auch hier bisweilen Abstimmungsprobleme zwischen MC und Selecta gab. Hauptsächlich jedoch durch das gänzliche Fehlen von custom tunes. Insgesammt konnte Wild Pitch gute tunes und eine gute Performance am Mic
aufweisen, viel jedoch durch die fehlenden custom tunes etwas hinter die anderen Sounds zurück. Auch war die Unterstützung im Publikum, durch Horns zwar lautstark, aber nicht so zahlreich wie bei Citylock oder Ras-Bas Sound.

Nach dem das Publikum in der ersten Runde einen Eindruck von den Sounds gewinnen konnte, viel die Leistung von Cool Rock noch positiver auf. Allein meisterte der Niederländer sowohl die Aufgabe des Selectas, als auch die des MCs sehr gut – was man auch von bekannten Namen (siehe Riddim Clash ;-)) nicht unbedingt erwarten kann. Die tunes und speeches waren wieder solide, sodass Cool Rock den anderen Sounds erst einmal etwas vorlegte.

Citylock blieben ihrer Strategie treu und eröffneten von Beginn an aus allen Rohren das Feuer auf Wild Pitch, ließen jedoch auch die anderen Gegner nicht gänzlich in Ruhe. Foundation tunes wechselten sich mit Bashment-Aufs-Ohr tunes ab, sodass alle Facetten der Citylock-Box zur Geltung kamen.

Als Ras-Bas das Pult wieder in Beschlag nahmen, teilte der MC erst einmal in Richtung Citylock aus. Er warf ihnen vor erwachsene Männer zu sein und sich wie Jungs zu benehmen. Diese speech zauberte auf unparteiische Gesichter mindestens ein Lächeln, da die mitgereiste Citylock-Fangemeinde tatsächlich bisweilen den Eindruck einer Truppe Fussballfans im Teenager-Alter aufkommen ließ. Es sei hier jedoch gesagt, dass alles friedlich ablief und nichts mutwillig zerstört wurde.

Ansonsten setzten Ras-Bas Sound die zweite Runde so fort, wie sie in Runde eins begonnen hatten und leisteten sich zu allem Überfluss auch noch einen Playback indem sie Murderer von General Levy, den Wild Pitch bereits in Runde eins auf einem anderen Riddim gespielt hatten, erneutspielten.

Wild Pitch drehten in Runde zwei deutlich auf und spielten auch einige custom tunes. Insgesamt wirkte die Performance (auch die Abstimmung zwischen Selecta und MC) sehr viel besser als in Runde eins.
Nachdem Ras-Bas Sound aufgrund ihres Replays bereits so gut wie disqualifiziert waren, entschieden Wild Pitch jedoch im Sinne des Publikums und sahen Ras-Bas Sound den Replay ihres tunes nach, so dass diese ihre Jacken wieder ausziehen und weiter am Clash teilnehmen konnten. Citylock und Ras-Bas Sound waren aufgrund der zahlreichen Anhänger automatisch in der nächsten Runde. Somit wurde die Entscheidung zwischen Cool Rock und Wild Pitch gefällt und ging zu Gunsten von Cool Rock aus. Damit hatte Wild Pitch das Feld zu räumen.

In Runde drei wurde des Level der verbliebenen Sounds weiter angehoben. Cool Rock spielte einen 3-The-Hard-Way mit drei hochkarätigen Namen und der Ras-Bas-Selecta schien endlich ein wenig munterer zu werden. Der MC jedoch forderte das Publikum mehrere Male auf zu Applaudieren. Dies gilt nach den Regeln des War In East jedoch als verbotener “forced forward”.
Citylock begannen ihr Set – diesmal auf eigenen Wunsch als letzter spielend – mit einem Special vom Buena Vista Social Club und spielten danach zwei weitere tunes von Berliner Künstlern auf dem gleichen Instrumental. Der Rest der Runde war lediglich getrübt durch den Ausfall des Mikrofons, sodass diese eine Zeit lang ohne Mic arbeiten mussten.
Generell gab es in allen Runden immer wieder Probleme mit dem Basspegel des linken Mischpultes, was jedoch hauptsächlich die Sounds selbst störte.

Nachdem “forced forwards” verboten sind, stand die Entscheidung der Jury bereits fest. Ras-Bas Sound hatte zu gehen. Auch das toben der Anhänger des Sounds sowie der Einwand von Cool Rock, der meinte die Leute sähen lieber Ras-Bas Sound gegen Citylock im Dub fi Dub, konnte diese Entscheidung nicht mehr kippen. Ras-Bas Sound musste sich ebenfalls
geschlagen geben.

Das Dub fi Dub war jedoch wenig spannend. Es bestand anstatt der üblichen 10 tunes nur aus 5 tunes pro Sound und Citylock entschieden es deutlich für sich. Fairerweise muss gesagt werden, dass sie nicht nur das DfD, sondern auch den Clash gesammt verdient gewonnen haben.

Abschließend bleibt ein verrückter Clash im Gedächtnis, der jedoch auf hohem Niveau von allen beteiligten Sounds ausgeführt wurde. Fast ausschließlich international bekannte Künstler wurden von den Sounds gespielt und vom Publikum, dass zwar größtenteils parteiisch war, dennoch gebührend gewürdigt.

Ein Dankeschön geht an die Organisatoren von Herb-A-Lize It Sound sowie an alle beteiligten Sounds und Fans. Die sich alle respektvoll nach dem Clash gegenübertreten konnten.

Mit Citylock scheint sich in Berlin ein weiterer Clash-Sound zu entwickeln, der sicherlich noch auf sich aufmerksam machen wird. Eventuell wäre ein innerdeutsches Duell zwischen Buzzin Bashment und Citylock eine interessante Begegnung.

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