Rewind I

Cecile wiegt weniger — Assassin kämpft gegen Pisa — Schwaben beim World Clash


CecileCecile hat abgenommen. So ca. 20 Pfund. Das kann schonmal entscheidendes Detail einer Künstlerbiographie sein (Notting Hill Carnival-Besucher könnten wissen was ich meine), aber im Falle von mancheiners Lieblings-“Female-DJ” (das Attribut ist nötig, da “Female-DJs” natürlich in einer anderen Liga spielen als Kerle, ist ja klar…) fällt die Abmagerung mit dem Label-Wechsel weg von Delicious Vinyl zusammen, der auch zum falsch verstandenen ‘Pull Up’, also Einstampfen, eines eigentlich angekündigten Albums führte. Legt das den Einzug internationaler Schönheitsideale im “Fatty”-Paradies nahe? Wie passen Statements à la “Men don’t want to see a woman dressing anyway and deejaying like a man. Women have to look sexy” zu Independence proklamierenden Texten? Werden Crossover-Ambitionen auch optisch, äh, unterfüttert? War das denn wirklich nötig? Hot topic!

Assassin, grade mit neuem, durchaus gut aufgenommenem Album, tut was für die Yougendths. 10.000 (J)$ gibts für die 5 Gewinner eines Aufsatz-Wettbewerbs zum Thema “Mit Köpfchen ins Musik-Business” (oder so). Gleichzeitig taucht er aber, zumindest beim Foren-Don Dadda dancehallreggae.com, als Exempel (nach eigener Aussage hat Assassin noch nie (!) gekifft (!!)) des alten DJ-Problems von der Versatility auf, die alle Reggae-Themenkreise bedienen, aber nicht unbedingt alltäglich nachvollziehen will. Die Pole heißen “Entertainment” und “Realness”, und das Lavieren zwischen ihnen kann mitunter, siehe Beenie Man, Schwindelgefühle auslösen – besonders, wenn Texte zudem noch international von Manchen gehört und am Ende verstanden werden, für die sie nicht unbedingt verfasst waren. Möglicherweise liegt eben diese Art von Mißverständnis, von Identifizierung des Singers mit dem Song, bei obiger Betrachtung über Cecile vor, die allerdings als Vertreterin einer Minderheiten-Meinung und eines gesellschaftlichen Wandels größere Bedeutung als role model hätte als ein DJ, der nur um des lieben Entertainments willen das ausspricht, was sowieso alle denken. Im vorliegenden Fall allerdings dürfte das Red Square-Camp kaum verzweifelte Gegendarstellungen verfassen zwecks Rettung der credibility, Ganja-Enthaltsamkeit hat eher nicht den Zündstoff, den ein vergleichbares Statement über Religiösität etwa haben dürfte.

Im Oktober naht sich wieder der alljährliche World Clash in New York, das zwar umstrittene, aber doch insgesamnt wohl meistbeachtete Sound-Schaulaufen der Promoter Irish & Chin. Neben den Dauergästen Bass Odyssey, Mighty Crown und Black Kat und den Neulingen (beim World Clash, wohlgemerkt) Desert Storm und Immortal ist in diesem Jahr zum zweiten Mal nach Pow Pow ein Soundsystem aus Deutschland dabei: Sentinel aus Stuttgart. Was bei Manchem lustigerweise gar zu patriotischer Euphorie führt (Wir sind World Clash!) dürfte tatsächlich Ergebnis sein von 1) der beachtlichen Clash-Bilanz von Sentinel (Riddim Clash I, Turboforce in Jamaica, Champions Clash vs. Soundquake), ungeachtet der jeweils nachfolgenden Diskussionen und 2) dem Bedürfnis seitens der Promoter, die zunehmend ausrechenbare Clashserie (u.a. auch Death Before Dishonour, UK Cup Clash) mit frischem Blut zu versorgen. Ob der aggressive Stil von Sentinel ihnen in der Clash-Hochburg New York entgegen kommt und ob sie den notorisch mit relativ kurzen Spielzeiten je Sound versehenen Clash musikalisch aufwerten können wird sich zeigen, chancenlos sind sie gewiss nicht.
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