45 Shootout

Blenders Finest LogoKurz nachdem Supersonic mit ihrem Label und der ersten, “Devils Angel” betitelten Selection an den Start gegangen sind, veröffentlicht nun auch Supersonic-Selector und Remix-Rastelli Junior Blender seinen ersten eigenen Riddim – “eigen” dabei in Anführungszeichen, denn es handelt sich um einen Relick des “Love Is A Treasure”-Riddims, basierend auf dem gleichnamigen Tune von Freddie McKay. Den Rocksteady-Flavor des Originals hat Blender einer gehörigen Modernisierung unterzogen und lässt schon das Intro mächtig lospoltern, ehe die Bläser im typischen Sound, bekannt von den Remix-Produktionen einsetzen. Als Sänger wurden einige Hochkaräter ins Studio gelotst, deren Versions auch jeweils einen leicht angepassten Mix bekommen. Luciano ist am Start, Perfect, Ras Shiloh und vor allem Frankie Paul, der mit “Smile For Me” für mich den Hit der Selection abliefert. Aber auch lokales Talent bekommt eine Bühne geboten: Ronny Trettmanns “Kaffee” kennt man bereits von der letztjährigen EP, Ill Inspecta hat bei “Long Distance Call” seine Olle in der Warteschleife, Spruddy One aus Hamburg beweist bei “Inna Dis Life” beachtliches Potential und Phenomden, eh schon der Artist 2007, geht zum “Dance im Olivenhain”, bei dem offenbar der Crossfader im Dauereinsatz ist. Ein ganz feine Selection, bei der auf alles geachtet wurde, und die hoffentlich weitere folgen lässt.

John John LogoMächtig aktiv ist zur Zeit mal wieder Lloyd James Jr., besser bekannt als John John, der gleich mehrere neue Riddims released. “Shoot Out” ist dabei gewissermaßen der direkte Nachfolger von “Gang War“; ebenfalls sehr orchestral und mit viel Dramatik inszeniert, kommt der Titeltune von keinem geringeren als Michael Rose, oho oho. Ebenfalls spektakulär sind No Escape von Busy Signal, der zur Zeit mit jedem Tune eine neue Style-Facette vorstellen zu wollen scheint, und vor allem “Duppy Know Who Fi Frighten”, mit dem sich Newcomer (und Teilzeit-Producer) Demarco ins Rampenlicht drängelt. Ein weiterer neuer John John-Riddim hört auf den Namen “The Mix” und ist mit seinem abgehakten Mixing und einem Eek-A-Mouse nachempfundenen Sample ein Nachzügler der Retro-Welle, den ich mir gerne gefallen lasse. Buju Banton liefert mit “Sound Killa” Futter für die 45-Clashs dieser Welt, John Wayne hat bei “Jealousy a kill dem” seine Trademark-Sounds zu bieten, aber leider nur wenig mehr, Junior Cat meldet sich mit “Lust off a Gun” zurück und Capleton versucht mit “Grippi Grippi” mal wieder eine /eingängige / nervige Hookline zu kreieren. Weitere Versions kommen von Busy Signal, Hollow Point und Lady Saw. Schließlich hat sich John John auch mal wieder des altbewährten Love i can feel-Riddims angenommen, hält ihn sehr sparsam und dubbig, und lässt bei “In Your Eyes” Sanchez mal wieder croonen bis die Schwarte kracht, woraufhin es ihm Lutan Fyah direkt gleich tut (“Love By You”) und auch einen gelungen Tune hinbekommt.
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Das Bassrunner-Label aus Wien lässt dem behaglichen “Glorious”-Riddim mit Ghetto Ride ein Bashment-Machwerk folgen, dass bei mir nicht so recht zünden will. Zu fiepsig das Sample, zu plastern der Bass. Den Versuch weiß ich aber zu honorieren, da mir hiesige Produktion immer noch etwas zu häufig den One Drop bemühen. Die Tunes sind auch ganz okay und kommen mit Busy Signal (mal wieder), Daville, Hollow Point, Ward 21 oder Ill Inspecta ja auch nicht von irgendwelcher Laufkundschaft.
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Schön dumpf und düster ist dagegen der “Atomic Bomb“-Riddim, auf dem “Heart of Love“-Label von Ricardo ‘Bibi’ Gardener. Auch nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluss, aber mit seinem schizoiden, an Ward 21-Produktionen erinnernden Design doch ziemlich interessant. Vier große B führen die Selection an (Beenie, Bounty, Buju, Busy), die außerdem u.a. Sizzla, Vybz Kartel und Autotune-Terrorist Munga zu bieten hat.
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Der Marley-Clan hat auch wieder was Neues gebastelt: “Rich Quick Mentality” heißt der moderne Stepper-Riddim auf Tuff Gong, der ganz gut gelungen ist, aber hier vor allem deswegen Erwähnung findet, weil mit Louie Culture und Determine zwei viiiiieeel zu selten gevoicte Artists wieder auftauchen. Eine Bitte an den Reggae-Weltgeist: mehr davon, weniger “Newcomer” im Monatstakt.