Mavado – Gangsta For Life

Mavado - Gangster For Life - CoverMavado, der Mann, der häufiger “Anyway” sagt als Nina Hagen, Stimme gewordener Lickshot und größtes Hype-Phänomen der letzten zwei Dancehall-Jahre, veröffentlicht auf VP Records sein Debut-Album “Gangsta For Life: The Symphony of David Brooks“. Aufgrund seiner technischen Fähigkeiten ist er nicht unumstritten, aber man kommt nicht um ihn herum – zu groß seine Präsenz und der ihn begleitende Rummel. Für die Produktion seines Debuts arbeitete er überwiegend mit dem ebenfalls inzwischen etablierten “Daseca”-Produktionsteam um Craig ‘Serani’ Marsh zusammen, die schon für seine Hits “Real McKoy” und “Dreaming” verantwortlich zeichneten.

Vielleicht könnte man den Style des Albums als ‘Slickness’ einordnen. Der glasklare, Synthie-betonte Sound spiegelt exakt das derzeit herrschende Großraumdisco-Klima wieder, das Produzenten wie Stephen McGregor (hier mit seinen “Power Cut” und “Tremor”-Riddims am Start) oder eben Daseca kreiert haben. Die so entstandene Atmosphäre wird von Mavados krätzigen, nörgeligen Gesang getoppt, der Gurus altes “It’s mostly the voice”-Credo bestätigt – was hier gesungen wird, nämlich Mavados Ghetto-Panorama zwischen Gangsterism, Selbstversicherung, Anklage und Slackness, könnte man beinah ignorieren, der Ton macht die Musik. Nun muss dieser Ton nicht unbedingt jedermanns Sache sein, aber in einigen Momenten (etwa beim schleichenden “Dying”) kommen jedenfalls ziemlich großartige Tunes zwischen Eleganz und Roughness heraus. Nachdem man sich durch den Berg von Tunes (Hits wie “Me And My Dogs” oder “Amazing Grace” und mancher Ausfall wie “Touch The Road”) und eine Menge überflüssiger Skits gehört hat, überrascht er zum Ende dann sogar mit einem astreinen, von Bobby Digital produzierten One Drop-Tune (“Sadness”, ein Requiem für seinen letztes Jahr in der Schweiz ermordeten Vater). Mavado wird auch weiterhin polarisieren, aber als Informationsbulletin darüber, was zur Zeit die jamaikanische Szene bestimmt, ist das Album, ob man es mag oder nicht, wirklich unverzichtbar.