Neue Alben: Daville, Marcia Griffiths, Lady Saw

Daville - On My MindSchon seit seiner Zeit bei der Gruppe A.R.P. ist Orville Thomas a.k.a. Daville einer der zuverlässigsten Schmachtfetzen-Lieferanten überhaupt. Mit einer dauerverheulten Stimme gesegnet und nie um eine Coverversion verlegen (für Singer immer ein Trumpf), hat er nun nach zwei in Japan veröffentlichten und erfolgreichen Alben seine erste LP für VP Records fertiggestellt. Die Produktion hat er zusammen mit Janice Brown überwiegend selbst übernommen unter Mithilfe von Größen wie Donovan Germain, Arif Cooper, der Firehouse Crew, Stephen McGregor oder Frenchie. Der von den Hits wie “Can’t Get Over You” oder “Always On My Mind” bekannte, sehr eingängige und poppige Stil zeichnet das Album durchweg aus. Sehr satter Sound und durchdachte Produktion liefern eine perfekte Basis für Davilles herzzereissendes Gejauchze. Über allem thront das wunderbare, Germain-produzierte Duett mit Marcia Griffiths, “All My Life”. Der Singer etabliert sich endgültig als eine der ersten Adressen für Lovers Rock zur Zeit – sehr gelungen.

Marcia Griffiths - Melody LifeBesagter Marcia Griffiths hat VP nun nach gut 40 Jahren im Business mit “Melody Life: Reggae Anthology” ein Best Of-Album mit feinem Cover spendiert, das zwar immerhin 30 Tunes stark ist, dennoch nicht mal alle Hits der Sängerin umfasst – aber viele sind natürlich dabei. “Feel Like Jumping”, “Truly” “Always Together” (eigentlich mit Dauer-Duettpartner Bob Andy, hier unverständlicherweise in der leicht mißratenen Bunny Rugs-Version) aus der Rocksteady-Periode – bis heute die meist-nachgefragten Dubplates der Sängerin – , die Sonia Pottinger-Produktionen “Dreamland” oder “Lonesome Feeling” aus den späten 70ern, “Live On”, “Half Idiot” oder das großartige “Land Of Love” aus Donovan Germains Hochphase zu Beginn der 90er usw. usf. – die Tunes rekrutieren sich also aus so ziemlich allen Reggae-Epochen seit den 60ern, und bis heute hat Marcias Stimme kaum an Qualität verloren, dafür aber an Gewicht und Ausstrahlung gewonnen. Nicht zuletzt demonstriert dieses Album, warum sich Marcia heute mit vollem Recht als Grand Dame und ‘Königin’ des Reggae inszenieren (lassen) kann.

Lady Saw - Walk Out Die hin und wieder als ‘Königin’ des Dancehall betitelte Lady Saw ist sich für eine Anthologie wohl noch etwas zu jung und bringt statt dessen mit “Walk Out” ein neues Album heraus. Strukturell zerfällt die LP grob in drei Teile: Dancehall am Anfang, softes (meist selbstproduziertes) Material im Mittelteil, und hinten raus wieder Hardcore. Die Dancehall-Parts sind klar die besseren, vom Sound auf die furztrockenen Riddims des Jammys-Stalls (John John, Jam 2, Ward 21 etc.) geeicht, mit aktuellem Material wie etwa “Big Up”, “Rae” (bei “Me And My Crew”) oder “Battle Field” (“Stray Dogs”). Die, wie man gern sagt, “nachdenklicheren” Tunes in der Albummitte sind zwar textlich gewohnt selbstbewusst (“No Less Than A Woman, “Worlds Prettiest”), aber leider etwas arg verwaschen ausgefallen (also das gleiche Problem, mit dem auch schon Tanya Stephens’ “Rebelution”-Album zu kämpfen hatte). Reinhören lohnt wegen der Dancehall-Tunes für Fans allemal, aber es gibt deutlich bessere Alben von Lady Saw.