Phoenix Upliftment – Dub outta Cologne

Digitaler Dub ist in Deutschland, im Gegensatz beispielsweise zum Nachbarland Frankreich, eher spärlich gesäht. Nun ist Sir Larsie I, einer der wenigen deutschen Protagonisten dieser Spielart, mit seinem eigenen Label an den Start gegangen. Phoenix Upliftment residiert in Köln und schickte diesen Monat direkt zwei Releases in die Regale der Plattenläden.

PUR002
Zunächst ist es eine 12″ vom Label-Owner selbst, “One Love EP”, mit sage und schreibe 10 Tracks. Sir Larsie I präsentiert auf zwei eigenen Steppers-Riddims fünf Vocalists und wartet mit ebensovielen dubwise Mixes auf. Auf der A-Seite gibt die bis dato nicht in Erscheinung getretene Berliner Sängerin Miss Lynx den Titeltune zum Besten – gute Vocals, gute Message und ein digitaler Stepper mit prägnanter Bassline, viel Kick und viel metallernem Echo-Drumherum. Der seit Jahren als Nachwuchs-Hoffnung gehandelte Jamaikaner Al Pancho kann hingegen auf dem nächsten Vocal-Cut nur mäßig überzeugen. Dafür aber umso mehr Jah Pearl mit “Ruler” – der mir völlig unbekannte französische Singer ist eine Entdeckung sondergleichen, und ich würde mich definitiv freuen, mehr Material von ihm auf dem Label zu hören. Stimme, Melodie und Lyrics – alles geht an die Substanz, ist voller Ausdruck und gibt mit dem Stepper-Riddim eine wunderbare Symbiose. Die Seite runden noch zwei Dub-Versions ab, wobei vor allem die “Harderwise” extrem nach vorne geht. Die B-Seiten-Riddim schraubt das Tempo gehörig zurück und baut – als gewissermaßen “digitales One-Drop” – vor allem auf Percussion und mächtiger Bassline. Der erste Vocaltune kommt von Ras Pyton, den man von Abassi Hi-Fi Sessions kennen sollte; den zweiten steuert Junior Kigwa bei, ehemals als “Rankin Diddy” bekannter Ruanda-Kölner, der vor kurzem auf Zion Train’s “Deep Root”-Label mit einer 7″ brillierte – hier brilliert er ebenfalls mit einem herrlichen Tune. Dann folgt das übliche – Dubwise (oder soll ich sagen – Organwise?) und Harderwise, wo die Bassline nochmal schön zur Geltung kommt. Als letzten Tune geben sich Bush Chemists, die englische Veteranencombo um Dougie Wardrop, mit einem Remix die Ehre.

PUR003
Dann gibt es noch eine Compilation, “Dub Buds Vol. 1”, mit 17 “earthshaking dubs inna y4k stylee” – indeed, hier ist einiges am Start, was die Erde erbeben läßt. Musikalisch bewegt man sich in den härteren, von Iration Steppas bis Brain Damage und Earthquake vorgezeichneten, UK-Dub-Gefilden, und so mancher von Post-Dub á la Echo Beach aufgeweichte Head würde es als schnöden Traditionalismus abtun – doch hier wird konsequent der Steppers-Dub verfochten, und das durchaus innovativ, im “y4k stylee” eben. Zukunftsweisend ist auch das Artists-Lineup, und das frischgebackene Label betätigt sich hier, was sehr löblich ist, als Newcomer-Talentschmiede. Die meisten Artists sind bis dato, wenn überhaupt, nur auf Netlabels in Erscheinung getreten, und es ist schon mal ein großer Verdienst von Phoenix Upliftment, sie alle auf einen Silberling gebannt zu haben. Die, übewiegend französischen, Newcomer geben hier sehr verschiedene Styles zum Besten, und die wärmende bis dröhnende Bassline dient hier sozusagen als gemeinsamer Nenner (ein solches Monster von Bassline, wie sie uns hier JT in “Wha Gwan” liefert, ist mir bisher noch nie untergekommen)… Sehr erfreulich auch, daß die mittleweile eher etablierten kroatischen Jungs von Radikal Dub Kolektiv (die vor Kurzem mit “Bass Matters” auf Universal Egg ein wahres Schwergewicht von Dubalbum herausgehauen haben) hier einen Tune beigesteuern konnten. Der Label-Boss selbst ist ebenfalls mit einem ordentlichen Tune am Start.

Bleibt zu hoffen, daß Phoenix Upliftment das deutsche Dub-Vakuum füllt und sich als Talentschmiede, Brücke nach Frankreich und andershin, und nicht zuletzt als steady Output-Plattform des kölschen Dubhead Sir Larsie I etabliert. Die Releases finden langsam ihren Weg in die Plattenläden, und können ansonsten im labeleigenen Webstore bestellt werden. Snippets gibt es auf der Labelseite.