Die Review-Aktionswoche, Teil 1

Vieles an neuen Alben musste im alten Jahr leider aus Zeitmangel liegen bleiben, soll aber nicht versauern und wird nun noch in mehreren Teilen vorgestellt. Teil eins (Zareb, Strictly The Best, Dr. Ring Ding) ist gewissermaßen die ADAC-Variante – alles im Auto gehört, “Preis/Leistung”, “Innenausstattung” und “Verarbeitung” konnte ich mir aber gerade noch als Kriterien verkneifen, zu unser aller Glück.

zarebstrictly the bestdr ring ding


Zareb - Authentic Love - CoverAls für Mittelhessens hügelige Straßen sehr gut geeignet entpuppt sich “Authentic Love“, das Debut-Album von Zareb (ehemals Mr. Flash, auch mal Singing Flasher, davor glaube ich schon mal Zareb…), das bei Pow Pow erschienen ist. Zareb ist der Typ, der so schwer an Half Pint erinnert, falls hier jemand eher ein Stimmen- als ein Namen-Gedächtnis vorzuweisen hat, und bewegt sich strikt im Modern Roots-Bereich. Da sitzt zwar – für meine unerfahrenen Ohren jedenfalls – nicht jeder Ton ganz genau, aber erstens hat das bei Reggae-Sängern noch nie gestört und zweitens stimmt sonst ziemlich viel am Gesang wie auch an dem Album. Neben neuen Tunes wurde einiges an bereits bekanntem Material zusammengestellt, darunter etwa die bekannten Combinations mit Fantan Mojah (vor allem das dolle “Rastafari is the Ruler”), “Jah is Faithful” auf Bobby Digitals feinem “One for the Road”-Riddim, “Burn Dem Red” aus der Pow Pow-Schmiede selbst oder “What a world it would be” auf dem “Nine Eleven”-Riddim. Und wenn dann noch der “Full Up”-Cut von Half Pints “Political Fiction” für “Hungry Fi Done” wiederbelebt wird, ist die Täuschung beinahe gelungen, und da vom Vorbild derzeit nicht wirklich viel zu hören ist, muss man da auch gar nicht böse sein. Rundes, gutes Album, wenn auch teilweise schon etwas arg angestaubt. Weitermachen!
[ Myspace-Page von Zareb ]
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Strictly The Best 38 - CoverNormalerweise habe ich einen leichten Dancehall-Bias, und wenn es die neue, ziemlich okaye Roots- & Lovers-Variante von VP’s Strictly The Best-Compilations (Nummer 38) länger im Autoradio hält als die Dancehall-Ausgabe (Nummer 37), dann ist etwas faul. Und tatsächlich kann ich es relativ präzise diagnostizieren: bis zum sage und schreibe sechsten Tune (Vybz Kartels “Empire Army”) hatte ich das Gefühl, die Bassboxen wären defekt, ausgebaut oder zu leise gedreht. Dafür fiepten und piepsten allerlei superbillige Synthesizer um die Wette. Mehr Tunes als mit einer Hand abzählbar wären, muss ich als “Unverschämtheit” verbuchen, und es gibt einen einzigen Riddim auf dem ganzen Sampler, der mich überzeugt (Ward 21s “Rae”). Ausgerechnet da wurde aber mit Lady Saws “Me & My Crew” einer der schwächeren Tunes ausgewählt. Nun könnte es sein, dass ich mich im Rekordtempo der frühvergreisten kulturpessimistischen Nörgelei annähere und eigentlich alles in Ordnung ist, lediglich die letzte von vielen Dancehall-Innovationsstufen nicht bei mir gezündet hat. Aber: wie wäre der aktuelle Börsencrash zu erklären, wenn nicht durch das blanke Entsetzen ob dieser Entwicklungen? Hä? Hä? Schnell rechts ran fahren und dreimal durchatmen.
[ Homepage von VP Records ]
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Dr Ring Ding - Nice Again - CoverDr. Feinripp Ring Ding schaut mit “Nice Again” zurück auf die letzten paar Jahre seines Schaffens und versammelt 19 Tunes, die teilweise ziemlich lang zurückreichen. Den Knüllerreim “Hardcore, härter als die Jungs von der KFOR” auf dem ersten Rootdown-Riddim “Racer” konnte man schon ca. 2001 auf der Autobahn abfeiern (Höhe Bruchsal, ich weiß noch als wäre es gestern… aber lassen wir das). Diese Sammlung nun habe ich beim Einkauf-Rumfahren gehört, und dafür war sie durchaus in Ordnung; man kann ab und an (zwecks Aussteigen) abschalten, skipt hier und da und bekommt aber doch einen Teil-Überblick über die Entwicklung, die hiesiger Reggae-Dancehall so in diesem Jahrzehnt genommen hat. “Geisha”, “Pharaoh”, “Money Bag” oder “Crazy Night” heißen die Riddims, “Doctors Darling”, “Vom Vatter”, “Bombs over Bagdad” und “Cuss Raas” die Tunes, die nicht alle superklasse sind, aber doch immer wieder mit gekonnten Texten und Styles/Melodien überraschen. Und allzuviele Artists, die sich schon so einen Rückblick leisten könnten, gibt es ja nicht.
[ Homepage von Dr. Ring Ding ]