Die Review-Aktionswoche, Teil 2

Die Review-Offensive geht weiter: Alpheus (yeah!), Goldi (hmmm.) und I Wayne (lassma…); die ausführlichen Versionen der Kritiken gibt’s nach dem Klick. Gibt es übrigens einen Titel für den “hardest working man in review business”? Nein? Sollte es aber geben, sollte es definitiv geben!

alpheusgoldii wayne


Alpheus - Everything for a reasonEin überraschend feines, aber leider, wenn mein Eindruck nicht trügt, etwas übersehenes Album kam im Herbst von Alpheus, nannte sich “Everything for a Reason” und wurde beim französischen Special Delivery-Label veröffentlicht. Das Album fängt mit einem Riddim an, der auf Serge Gainsbourgs “Je t’aime moi non plus” basiert, und ein solches Unterfangen kann auf ca. 15 verschiedene Arten schief gehen. Tut’s aber nicht. Der Riddim von “You’re Not” bounct ohne Schnickschnack vor sich hin, und Alpheus rückt mit seiner sonoren Stimme und perfekter Punktierung die Realitätsferne seiner Herzdame zurecht. Nach einem so feinen Opener ist man schonmal eingenommen für das Album, und das Niveau wird erfreulicherweise über weite Strecken gehalten. Man höre zum Beispiel das hingetupfte “Need to Know” auf dem “Operation Radication”-Riddim, die Combination mit Kiprich “Tell Him the Truth”, das melancholische “Mother Dearest” oder “Groovy Kind of Love”, noch so eine Coverversion, die knapp an der Cheesy-Grenze vorbeitänzelt und dem Purist in uns eine lange Nase zeigt. Nicht falsch verstehen: das ist kein Album für die Hall of Fame. Aber es ist halt genau die Sorte Reggae, die ich mir als Basis-Qualität wünschen würde, von der aus man dann zu den Meisterwerken fortschreitet.
[ Myspace von Alpheus ]
———-
Goldi - Am Mike - CoverIch bin mir ganz und gar unsicher, wie lustig ich den Name “Dieter Tosh” finde. Aber egal, ebenjener Dieter ist ja nur fürs Mastering von “Am Mike” zuständig gewesen, dem ersten Album von Singjay Goldi. (Wo wir gerade dabei sind – ich bin mir auch nicht wirklich sicher, ob ich diesen Künstlername gut heißen kann. Aber auch das: egal.) Den kann man kennen, da durchaus umtriebig und viel unterwegs. Das Album: eine waschechte hiesige Reggae-Indie-Produktion. Musikalisch und textlich “spontan & locker” angelegt, was gut sein kann und schlecht, und so präsentiert sich das Album dann auch: durchwachsen. Zuviele Texte verfallen in Platitüden, zu häufig wird stimmlich das Knödeln angedeutet (Knödeln scheint sowas wie die deutsche Variante von Autotune zu sein), und die Riddims klingen teilweise auch nicht so richtig prall. Es gibt aber halt auch gelungene Passagen, Textstellen und Riddims. Ein Lichtblick ist, wie zuletzt schon häufiger, der “Crazy Night”-Riddim von SWS, bei dem dann auch prompt einer der besseren Tunes herauskommt (“Telefon Ding”), “Minibus” ist ein gut gegangenes Experiment, und “Danke Selecta” überlebt trotz akutem Schleimer-Alarm. Es ist alles in allem kein unsympathischer Artist, und Ansätze für mehr sind absolut zu hören. Aber so richtig warm werd ich mit dem Album trotzdem nicht. Das sollte traditionell natürlich niemanden vom Hören abhalten, was auch dadurch erleichtert wird, das es das Album als Gratis-Download bei Myspace gibt:
[ Myspace von Goldi ]
———-
I Wayne - Book of Life - CoverImmer noch da: Spezialfreund I Wayne, dessen Karriere trotz gegenläufiger Hoffnungen seine alberne Soca-Invektive (“Devil music!”) und die Roots-Rezession überstanden hat, und der unverändert des Säuselns mächtig ist wie kein Zweiter. Sein nach “Lava Ground” zweites Album heißt “Book of Life” und bietet – das wird jetzt niemanden wirklich überraschen – Modern Roots. i Waynes Stimmchen (etwas anderes als ein Diminutiv verbietet sich hier) kann durchaus effektvoll sein, ist aber gerade auf Dauer schon etwas nervig. Zudem lässt das Timing streckenweise zu wünschen übrig, will sagen: manche Tunes wirken regelrecht wie am Riddim vorbei gesungen. Das musikalische Fundament ist überwiegend ordentlich, hier und da richtig gut (“Good Enough”, “Politics & Religion”), aber teilweise auch übertrieben soft, was aber den Anforderungen des Sängers geschuldet sein mag. Ich bekenne freimütig: das ist nicht meine Tasse Tee, es kann aber sein, dass Roots-Fans mit sensiblem Gemüt total darauf abfahren. Dann sei es. Aber dennoch ein Tip für Hörer des Albums: vor dem letzten Tune “Natural Ites” schnell aus dem Zimmer gehen und erst ein paar Minuten später wiederkommen.
[ Myspace von I Wayne ]