Die Review-Aktionswoche, Teil 3

Weiter wird gereviewt, als gäbe es kein Morgen. Nicht morgen, sondern heute gibt’s, anlässlich von neuen Würfen von Luciano, Donna Marie und Daddy Rings, die abgedroschensten Analogien, die für lau zu haben sind: Sport, Wetter und Essen!

lucianodonna mariedaddy rings


Luciano - Jah is my Navigator - CoverAlben, die unter der Regie von Dean Fraser entstehen, sind ein bißchen wie der SV Werder Bremen oder die San Antonio Spurs: sehr schön anzuschauen, gute Teamarbeit mit starken Individualisten, ab und zu fällt auch ein Meistertitel ab, aber über Jahre so konstant, dass manchmal der Verdacht der Langeweile entstehen mag. “Jah is my Navigator“, das neue Album von Luciano knüpft in diesem Sinne nahtlos an die vorangegangenen Dean Fraser-Produktionen (zuletzt etwa Tarrus Rileys “Parables”) an. Beginnend mit den ersten Akkorden des Openers “For I” weiß man sich hier in guten Händen. Modern Roots halt, klar, aber bis in die hinterletzte Ausziselierung durchdacht, von vorn bis hinten konsequent durchgespielt und -produziert: Kopfhörerregae vom Feinsten. Und Luciano, bei dessen wahnwitzigem Output ja gerne auch mal mittelmäßiges Material durchflutscht, liefert zu solcherart exquisitem Backing pflichbewusst einige der schöneren Melodien ab, die man von ihm in letzter Zeit gehört hat. Viel mehr muss man gar nicht sagen; so lass ich mir Roots gefallen.
[ Myspace von Luciano ]
———-
Donna Marie - Next Chapter - CoverIch habe ja den Verdacht, dass es eigentlich gar nicht so schwer ist mit dem Album-machen: man nehme ein paar nicht allzu ausgelutschte Riddims (zur Not auch eigene Kreationen), talentierte Musiker und eine Stimme, die ein Album über trägt und bumms – schon klappt das. Leider hab ich das Rezept nicht exklusiv. Donville Davis, Chef des Cousins-Labels, ist da mittlerweile auch drauf gekommen und veröffentlicht so eine gute LP nach der anderen. Nach den gelungenen Alben von Tony Curtis, Frankie Paul oder Luciano und dem sehr guten Sampler “From Bond Street to Greenwich Farm” hat er nun mit der gospel-geschulten Donna Marie wieder ein schee Stimmsche ins Studio gelotst, und das Ergebnis namens “Next Chapter” kann sich erneut sehen (jaja: auch hören) lassen. Donna Marie stellt sich in die Reihe der großen, britischen Lovers Rock-Chanteusen und kann sogar Nina Simone covern (und aus Lana Turner Dionne Warwick machen), ohne sich zu blamieren, womit alles über ihre Fähigkeiten gesagt sein dürfte. Und der Sound liefert ihr ein Stichwort, wie es schöner zwar sein könnte – aber nicht viel schöner. Das ist beseelter Reggae mit Stil, Charme, Bounce und supergeilen Bläsersätzen. “Love Triangle”, “Many Miles Away”, “Hold You Close” – ich könnte jetzt weiter Highlights aufzählen, aber da hat ja keiner was von. Ein Album wie, äh, Moment… wie Schneesturm im April, oder so. Hier müsste ich vielleicht, will aber nicht mehr sagen. Hören und lernen.
[ Myspace von Donna Marie ]
———-
Daddy Rings - The Most HighEverold Dwyer, besser bekannt als Daddy Rings, kreist seit einigen Jahren an der Reggae-Peripherie herum; man hört immer mal etwas, aber so richtig zum Durchbruch ist es bisher noch nicht gekommen. Es steht zu bezweifeln, dass sich das mit dem aktuellen Album, “The Most High“, ändern wird. Dazu ist es, kurz gesagt, zu durchschnittlich. Da fällt nichts ab, da ragt nichts heraus, da muss man nicht groß in Details gehen. Wem ein Tune gefällt, dem werden nahezu alle gefallen und umgekehrt. Hier kann ich nicht mehr sagen als: solides Handwerk, die Pizza Salami unter den Alben.
[ Homepage von Daddy Rings ]