Phenomden – Gangdalang

Phenomden - GangdalangEs muss was dran sein an der Idee, dass eine gewisse sprachliche Differenz der Wertschätzung von Musik nur behilflich sein kann. Zumindest bei mir. Denn es kann ja wohl kein Zufall sein, dass sich, spätestens mit dem neuen Album “Gangdalang“, ausgerechnet Phenomden, ein mir doch teilweise unverständlicher Schweizer, zu meinem favorisierten Reggae-Artist aus unseren Breiten- und Längengraden gemausert hat, einer, dessen Debut ich noch mit dem gern genommenen Pauschalurteil “ganz nett, nicht toll, hat Potential” abtat.

Im Nachhinein erweist sich auch die Idee, ein 80er-Digireggae-Album rauszubringen, wie letztes Jahr mit dem famosen “Style-Generator” geschehen, als cleveres Manöver. Einerseits hat das Phenomdens Style (sic!) sehr gut getan, andererseits bin ich eher bereit, jemandem ein “Modern Roots”-Album abzunehmen, wenn er so einen Vorgänger herzuzeigen hat.
Und was der mittlerweile alles kann! Hör sich einer mal “Was isch d’Liebi” auf Supersonics “Devils Angel”-Riddim an – so kieksig zu singen (“wie Richie Spice”) ist ein arg riskant Stilmittel, und wenn das (wie hier) gutgeht, dann darf das als Qualitätsmerkmal gelten. Und wenn man sich mal durch die ganzen ch’s, ä’s und ii’s der Texte bzw. des Booklets arbeitet, merkt man, dass das auch textlich, in seiner Unangestrengtheit und Selbstsicherheit, eine schmerzfreie und weitgehend fehlerlose Angelegenheit ist (weitgehend, denn ein Namedropping-Tune wie “Reggae Kultur”, ohne darin Dave Kelly zu erwähnen, das geht gar nicht).

Die Musik: feinilein! Ein Lob an die maßgeblichen Scrucialists, Junior Blender, Ganjaman und die weiteren Musikanten. Durchweg ziemlich tight produziert, ohne garstige Traditionalismen, mit Swing und Stil (schon wieder!), nachgerade uplifting. Auch hier ein Beispiel, wo es gerade nicht schiefgeht: der abschließende, daher-troddende Titeltune mit Doppelbumms und schnuckeligstem E-Piano, der alle gefährlichen Klippen solcher Tunes sowohl musikalisch als auch textlich elegant umschifft.
Gangdalang ist nichts weniger als ein weiterer Richtstein für (irgendwie…) deutschsprachigen Reggae, der erneut zeigt, das und wie es gehen kann. Das mich Style-Generator noch etwas glücklicher gestimmt hat, ist persönliche stilistische Präferenz und kein Vorwurf an dieses Album, das in einem gut sortierten Haushalt gewiss seinen Platz finden darf. Ye-aaah!

(Hoffentlich kommt der bald auf Tour in meine Stadt. Dann klau ich meinem Kumpel seine Herrenhandtasche mit Schweizerkreuz druff und lass sie mir visieren.)