Review Roundup 2

Wie Thomas Mann einst im kalifornischen Exil gesagt haben soll: “If you can’t say it with one reeeaaally long sentence, then shut the f*!% up!”. In diesem Sinne, die Ein-Satz-Reviews von:
Cecile – Bad Gyal, Etana – The Strong One, Radikal Sunflowers Collectivo – Join The Collectivo & Various – The Warning Riddim

Cecile - Bad GyalCecile hat sich für ihr “Bad Gyal“-Album dem Kölner Kingstone-Label anvertraut, das neben einigen älteren Tunes auf fast schon wieder vergessenen Riddims wie Red Alert oder, Hossa, Inevitable auch manche Eigen-Produktion untergebracht und das Album mit dem altbekannten Laut-Leise-Laut-Spielplan aufgebaut hat, bei dem im Mittelteil die ruhigen Tunes (u.a. ein “Tonight”-Cover mit Bounty Killer und Lord Kossity) auftauchen und dessen schnellere Tunes sich durchaus um Swing bemühen, so dass ein abwechslungsreiches, ordentliches aber auch ziemlich cleanes und ein für ein Bad Gyal bißchen zu nettes Album bei rumkommt, dem einige zusätzliche scharfe Kanten gut getan hätten.

———-

Etana - The Strong OneApropos scharfe Kanten, die wird man auf dem Debut-Album der überall als “Reggae-Soul-Sensation” o.ä. gefeierten Sängerin Etana auch kaum finden, aber halt auch kaum erwarten, wenn man ihre Tunes im letzten Jahr mitgekriegt hat, was durchaus vielen widerfahren sein dürfte, darf sie doch als einer der Newcomer der letzten Zeit gelten, und so findet sich auf dem Album “The Strong One” eben durchgehend dieses supersofte Material an der Pop/R&B/Reggae-Schnittstelle, vorgebaut von Top-Lieferanten wie Dean Fraser (u.a. “Jah Chariot”, wo ich einen ollen Congos-Riddim wiederzuerkennen meine), Stephen Stanley (beim Opener “Roots”), Robert Livingston und Stephen ‘Lenky’ Marsden, der bei “Wasting my Time” mal wieder eine seiner wunderbaren Keyboard-Präziosen zurechtgezimmert hat, und Etana veredelt das ganze mit einer Stimme, die selbst im an im Kirchenchor geschulten Chanteusen nicht armen Jamaica so nicht alle Tage auf die Bühne tritt, so dass man dem Album (vorausgesetzt man erwartet das Richtige) gute bis sehr gute Noten erteilen darf.

———-

Radikal Sunflowers Collectivo - Join The CollectivoDas Radikal Sunflowers Collectivo, im weitesten Sinne auch dem dhm-Umfeld zuzuordnen, erfüllt die langer-Satz-Bedingung dieser Reviews schon allein durch vollständiges Ausschreiben des Bandnamens, und doch gibt es auch ein Album, dass hier den raison d’etre bildet, namens “Join the Collectivo“, und wie Band- und Albumname nahelegen, soll hier Reggae mit spanischen Einflüssen verwoben werden (welchen genau, vermag ich aufgrund mangelnder Expertise nicht zu sagen, die Website spricht von Rumba), was zu einem höchst ungewöhnlichen Sound führt, dominiert von einem allgegenwärtigen Saxophon, rumpelnder, polysemer Schlagzeugrhythmik und multilingualem Gesang (und nein, auch wenn es das Cover nahelegen will, dass ist nicht Heinz Strunk an der Gitarre), den ich nicht durchgängig gutzuheißen vermag, der aber seine Momente hat und aus dem zukünftig möglicherweise noch interessante Experimente hervorgehen mögen – mit dem Saxophon volle Pulle über Coxsone-Riddims drüberbügeln, die Traute muss man erstmal haben!

———-

Various - The WarningDass Greensleeves dem Riddim-Album Konzept immer noch standhaft treu bleiben möchte, hatte ich ja gar nicht auf dem Schirm, finde es aber angesichts der – am Ende übertriebenen? – allgegenwärtigen Krise der klassischen Reggae-Distribution sehr rührend, und verweise somit gern auf Nummer 88 der hauseigenen Serie namens “The Warning“, ein Bass-getriebenes Wälzchen wie straight aus 2001, mit schicker Orgel-Beigabe und einem dieser Dave Kelly-esken Soundeffekte (wie auch immer Engineers das in ihrem Fachchinesisch nennen mögen…), aus der Feder von Shane Brown und Collin ‘Demarco’ Edwards, wobei letzterer neben der nahezu kompletten A-Liga (Busy Signal gleich zweimal, Mavado, Bounty Killer usw.) auch selbst mit einem Tune vertreten ist und beinahe so streng pubertiert wie der ganz, ganz böse an seinem Comeback arbeitende Wayne Marshall, und ich schließe mit dem Fazit, dass ich es lieber sähe, wenn solche Riddims an Stelle des eklen Großraumdissen-Materials die aktuelle Bashment-Baseline bildeten.

———-

Zu Elephant Mans‘ “Let’s Get Physical” nur soviel: Pfui.