Review-Roundup

In den letzten Wochen und Monaten hat sich wieder einiges an neuem Album-Material angesammelt, und das wird nun – doch, doch – in den nächsten Tagen schön der Reihe nach abgearbeitet. Den Anfang machen:
Mono & Nikitaman / Ragga Ragga Ragga 2008 / B Seiten Sound / Beware of Dog Riddimsampler / General Key Riddimsampler

Mono & NikitamanMono & Nikitaman gehören mit ihrem mittlerweile vierten längeren Release “Ausser Kontrolle” zu den Routiniers im deutschen Artist-Zirkel. “Der Hype ist vorbei” postuliert Nikitaman in “Schlag Alarm” (bei dem er auch durch ein Twiggy-Namedropping sein fortgeschrittenes Alter offenbart), weswegen irgendwelche ausufernden Experimente wohl auch fehl am Platz wären. Auch auf diesem Album dominieren Tunes, die, überwiegend im Uptempo-Bereich angesiedelt, als Steilvorlage für die Brot-und-Butter-Liveshows des Duos dienen können (höre z.B. “Nur So”). Als Gegengewicht dienen ein paar Rootstunes wie die “König von Deutschland”-Variation “Das alles”. Das Niveau von Lyrics, Delievery und Produktion hält das bisher erreichte Niveau, schreitet aber leider auch nicht unbedingt weiter voran. Solides Album, aber keine Offenbarung.
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Ragga Ragga Ragga 2008Greensleeves bietet mit der 2008er Edition ihrer “Ragga Ragga Ragga“-Serie einen Überblick über derzeit herrschende Sounds und Styles. Gleich mit den ersten vier Tunes ist das Spektrum abgesteckt. Dancehall 2008 besteht im wesentlichen aus drei Komponenten: erstens weinerlichen Singer-Stimmen (z.B. Demarco, Serani und der unvermeidliche Movado, selbst ein alter Hase wie Mykal Rose orientiert sich, von Autotune zusätzlich verunstaltet unterstützt, an dieser Schule), zweitens edlen Hochglanz-Produktionen mit viel Synthie-Orchester (Stephen McGregor, vor allem aber das Daseca-Camp um besagten Craig ‘Serani’ Marsh haben Don Corleon wohl vorerst als herrschende Produktionscamps abgelöst) und drittens Busy Signal. Ich habe zwar in seiner Penetranz zunehmend Probleme mit diesem angekoksten Großraumdisco-Dancehall, aber da diese Musik sich erwiesenermaßen in ihrem Lauf von Ochs und Esel nicht aufhalten lässt, wird hier wohl das Angebot auf Dauer die Nachfrage regeln müssen. Man gewöhnt sich ja an alles.
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B Seiten SoundB Seiten Sound (Super Name auch – nicht zu verwechseln mit Zweiter Floor Sound) ist eins dieser MultiStyli-Projekte aus Österreich, sprich mit “Jazz-Sozialisation und Reggae-Verbundenheit” (auweia, Waschzettel!). Hier wird noch Musik gemacht, als wäre ein Booking-Slot beim Summerjam 1986 zu vergeben. Instrumental dominierter, erzkonservativer Band-Reggae mit gelegentlichen Vocals, die aber leider bestenfalls Mittelmaß bieten. Die musikalische Seite der Tunes erreicht das, was sie erreichen will, nur gefällt mir das, was sie erreichen will, leider nicht so – wem das anders geht, der wird hier gut bedient. Ich hoffe, man versteht mich.
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Beware of DogAus Spanien erreicht uns ein Riddimsampler, den ich zwar in diesem Umfang (20 Tunes) für ein beinahe überkommenes Format halte, der aber nichtsdestotrotz ein internationales Artist-Portfolio bereitstellt, das sich am “Beware of Dog“-Riddim gütlich tut. Für die Produktion zeichnet Kinky Music verantwortlich, die 2004 mit dem Black Rain-Riddim (u.a. Capletons “Nuh Stop Wi”) einen Überraschungserfolg verzeichnen konnten. “Beware of Dog” ist vom Black Rain-Sound nicht weit weg, ein finsterer Stomper, dessen Sound mir aber etwas wässrig klingt. Neben dem ein oder anderen Yardie (Bounty Killer, Nicky B) und anderen Nationen (Ill Inspecta oder, schau an schau an, Brinsley Forde von Aswad) repräsentieren vor allem spanische Artists wie Chulito Camacho, Bandido, oder Tapon. Wer sich dahingehend informieren möchte, bekommt hier also einen guten Überblick, aber insgesamt ist mir der Riddim für Album-Länge wirklich zu dröge.
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General Key RiddimNoch ein Riddimalbum, aber nur als Promo pour moi, den Release gibt’s als 7″ oder als Download: der “General Key”-Riddim kommt von Oneness Records aus München. General Key ist ein Roots-Riddim mit geschwungener Bassline und feinen Bläsersprenklern, der als Unterlage für eine Artist-Besetzung dient, die sich sehen lassen kann: Junior Kelly (der allerdings schon frischer klang und auch mal weniger gehallt hat), Prezident Brown, Queen Ifrica, Ginjah oder auch Mark Wonder. Insgesamt: bissl schunkelig vielleicht, aber doch ganz nett. Und wer mir verraten kann, woher ich das Orgel-Melodiechen kenne, kriegt ein Eis spendiert…