Favela on Blast – der Funk der Favelas

Gestern fand im recht gut gefüllten Berliner Club Maria die Premiere des Filmes Favela on Blast von Wesley Pentz (Diplo) und Leandro HBL statt. Der Film handelt von der Musik der brasilianischen Favelas, dem Funk Carioca, Baile Funk oder einfach nur Funk genannt. Die 2007 entstandene Doku zeigt eine Menge der großen Namen des Baile Funk: MC Catra, Deise Tigrona, MC Leleco, Gaiola da Popozudas, MC Colibri, MC Gorila, MC Preto, und auch die DJ/Producer DJ Sany Pitbull, MC Duda, DJ Grandmaster Rafael, DJ Sanny, DJ Carlos Machado, DJ Marlboro und DJ Sandrihno.

Die Thematik ist in Berlin ganz gut aufgehoben, ist doch mit Man Recordings eines der wenigen außerhalb Brasiliens operierenden Baile Funk – Labels vor Ort und letztes Jahr gewann Tropa de Elite den Goldenen Bären des Filmfestivals Berlinale. Dieser halbdokumentarische und recht gewaltätige Streifen bildet quasi auch den Gegenpol zu “Favela on blast”: Zeigt der erste in schonungsloser Authenzität den Kampf einer (oft weit über die Stränge schlagende) Polizei – Elitetruppe gegen die Gangs der Favelas, gibt es im zweiten Film einfach keine Gangs. Zumindest wird nicht mit einem Wort auf die Strukturen, die die Favelas organisieren (im Guten wie im Schlechten) und zusammenhalten, hingewiesen.
“Favela on Blast” ist also ein reiner Musikfilm, der suggerieren möchte, daß die Favelas eine Art Künstlerkommune seien.

Zu wenig hört man auch über Gewalt und Waffen, was bei einem Genre, das nicht ohne Gewehrsalven in Form von Samples und Lyriks auskommt, befremdet. Dafür werden konsequent die Lyrics untertitelt und der Funk-Interessierte, der des Portugisischen nicht mächtig ist, erfährt, um was es im Funk wirklich geht: Sex. Sex und Sex und nochmal Sex.
Nicht, daß man es nicht vorher geahnt hätte, und deutlicher kann es kaum noch werden. Den Mainstream wird der Film damit nicht gewinnen und auch manchen Fan im Anfangsstadium verschrecken. Und das ist genau der Verdienst von “Favela on Blast”: Dank der wohlgeölten Hype-Maschinerie der Mad Decent – Crew zieht der Film Hippstervolk in das Kino, von denen die wenigsten Funk-Tunes beim Titel kennen dürften. Und sie lernen eines: Baile Funk ist kein harmloses sonnengetränktes Weltmusik-Spektakel, sondern ist Armut, Gewalt und schneller Sex.
Angenehm auch, daß man einfach die Künstler sprechen läßt und spontanen Situationen Raum läßt. Kein belehrender Sprecher im Hintergrund, sondern nur Künstler, die Bailes und die Favelas. Das macht den Film authentisch und absolut sehenswert.

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