Geschenktipps Teil 2

Lloyd BrownWie in Teil 1 bereits angekündigt, widmet sich diese Auflage unserer Geschenktipps den Tonträgern.

Den Anfang macht das neue Album von Lloyd Brown “For Your Consideration”. Auf 17 Tracks offenbart der Londoner Sänger wieder einmal, dass er wesentlich vielseitiger ist, als der ihm oft aufgedückte Stempel des “Lovers-Rock-Artists” denken ließe. Thematische Vielfalt trifft auf Riddims, die von modernen One-Drop-Produktionen über selbstproduzierte Remakes alter Klassiker bis hin zu ein paar alten Originalen reichen. Bei letzteren handelt es sich erfeulicherweise nicht um die in London gerade von allen und jedem recycleten Treasure-Isle-Standards – stattdessen hat u.a. Lloyd Charmers eine alte Produktion für Herrn Brown wieder ausgegraben (“Sweet Bitter Earth” auf dem Riddim von Charmers “Going in Circles” gehört auch sonst zu den Highlights des Albums). Dass Lloyd Brown ein erstklassiger Sänger ist, muss man eigentlich nicht mehr erwähnen – trotzdem: auch auf diesem Album stellt er das beeindruckend unter Beweis. Und trotz aller Vielfalt wurde diesmal zum Glück auf all zu bemühte Crossover-Experimente verzichtet, wie sie auf manchem seiner vorherigen Alben zu finden sind. So kann man dieses Album uneingeschränkt jedem Reggaehörer empfehlen!

Joe Gibbs DiscomixesWeiter geht es mit den drei Teilen der Reihe “Joe Gibbs 12″ Reggae Discomix Showcase”. Joe Gibbs war in den 70ern und bis in die frühen 80er einer der profiliertesten Produzenten Jamaikas, verantwortlich für unzählige Hits, die aufzuzählen hier den Rahmen sprengen würde. In den späten 70ern war er auch maßgeblich beteiligt am damaligen Trend der Discomix-12″s. Statt auf den allseits beliebten 7″-Singles wurden Songs auf 12″-Singles veröffentlicht – durch eine nahtlos an den Song hintenan geschnittene DJ-Version verlängert auf Längen von sechs bis acht Minuten. VP Records verteilt nun 33 dieser Discomixe auf drei einzeln zu jeweils sehr fairem Preis angebotenen CDs – viele der Tracks sind dabei zum ersten Mal digital erhältlich. Alle drei CDs sind erfreulicherweise nur dezent remastert, und auch wenn sich auf jeder CD ein paar der besonders populären Hits befinden, gibt es auch immer einige weniger bekannte Perlen zu entdecken.
Manch einer hätte sich sicherlich noch ein ausführlicheres Inlay gewünscht – mit der Flut an musikhistorischen Fakten, mit denen manche britische Reissue-Labels ihre Veröffentlichungen garnieren, können diese Alben nicht mithalten. Insgesamt sind dies aber trotzdem drei CDs, mit denen man jedem eine Freude machen kann, dessen Reggae-Geschmack sich nicht auf den Sound der letzten 10-20 Jahre beschränkt.

Quintessential TechniquesVP Records hält sich in letzter Zeit mit Reissue-Compilations nicht zurück und schickt auch noch die Doppel-CD “Reggae Anthology: Winston Riley – Quintessential Techniques” ins Rennen. Wie der Name schon sagt widmet sich dieses Werk dem Schaffen des Produzenten Wisnton Riley, der seine Karriere als Mitlgied der Rocksteady-Vokal-Gruppe “The Techniques” begann, um wenig später sein eigenes “Techniques”-Label zu gründen. Die beiden CDs geben einen Überblick über sein Schaffen in den Jahren 1967-82 und 1985-92. Entsprechend started die erste CD mit “You Don’t Care”, einem der Hits der Gruppe “Techniques”, und endet mit zwei der ersten DJ-Hits auf dem Stalag-Riddim, mit dem sich Riley seinen Platz unter den Produzenten der meist-geversionten Riddims aller Zeiten sichern sollte. Die zweite CD beginnt sogleich mit weiteren Stalag-Versionen (u.a. Tenor Saws “Ring The Alarm”) und lässt eine Reihe Dancehall-Hits der digitalen Ära folgen.
Auch wenn dieser Überblick über die Techniques-Label-Geschichte im Jahr 1992 endet, ist diese Doppel-CD ein sehr umfassender Einblick in einen langen Teil der Geschichte jamaikanischer Musik. Im Gegensatz zu den obigen Joe-Gibbs-CDs wird diese Geschichtsstunde auch durch ein ausführliches Inlay ergänzt, in dem sowohl die Historie des Labels erzählt als auch jeder Track einzeln mit ein paar Sätzen bedacht wird.
Was man aber beachten sollte, wenn man diese Zusammenstellung zu verschenken gedenkt: fast alle Songs sind Standards der Reggae-Geschichte, die sich schon auf einer Vielzahl vorheriger Compilations, 7″-Represses und sonstiger Reissues finden ließen. Daher ist dies sicherlich ein gutes Geschenk für den “Neuling”, bei versierten Reggae-Sammlern könnte sich die Freude aber womöglich in Grenzen halten.

Das war nun Teil 2 der Geschenktipps. Bisher fehlt noch ein Tipp für die Fans des aktuellen Dancehall-Sounds. Der Output an käuflich erhältlichen Alben nimmt da aufgrund der Download-Manie ja stetig ab – aber vielleicht findet sich noch etwas, was eine Empfehlung in Teil 3 wert wäre…