Review: Euro Swagga Riddim (SWS)

Euro SwaggaDas Berliner Soundsystem und Label SWS veröffentlichte dieser Tage seinen nunmehr vierten Riddim: den “Euro Swagga”.
Der Name lässt es schon erahnen: nachdem die beiden Vorgänger “Crazy Night” und “Love Again” stilistisch eher Dancehall-Riddims vergangener Jahrzehnte zum Vorbild hatten, orientiert man sich diesmal eher daran, was aktuell gerade auf Jamaika angesagt ist. Für jeden Tune unterschiedlich arrangiert, passt der Riddim genau in den Trend, dem die Riddim in ihrer aktuellen Ausgabe die Überschrift “Ragga GTI” verpasst.

Wie gewohnt voiceten SWS eine Mischung aus upcoming Artists und einigen handverlesenen bekannteren Kandidaten. Starten wir mit meinen zwei Favoriten:
Konshens liefert eine Hymne “Fi Di Gyal Dem”, während Wasp die Zustände in der “Warzone” Kingston besingt, was nicht zuletzt dank des passend kriegerischen Drum-Arrangements überzeugt.

Weniger überzeugend finde ich dagegen das “Badman Manifest” von Stein. Solch Badman-Gehabe à la “Bwoy weh violate no waan see another day” würde vielleicht noch einigermaßen authentisch wirken, wenn Stein hier gerade das nächste Voicing für “One Order”-Rado und sein “Armz House”-Label oder vergleichbare Kandidaten abliefern würde. Wenn er nun aber mit Shoutouts an (SWS-)”Sebastian”, “Europe” und “Germany” das ganze in den hiesigen Kontext setzt, wirkt das alles etwas albern. Darüber könnte man sicher hinwegsehen, wenn das Voicing musikalisch eine Bombe wäre – ist es aber leider auch nicht.

Schön, dass Ward 21 und Denham Smith auf ihrer Combination “No Ina Dem Ting” stattdessen allem abschwören, was einen ins Gefängnis bringen könnte. Damit wirken sie nicht nur sympathischer, sie gefallen auch sonst mehr als Steins Beitrag. Erfreulich ist auch “Operator Rope In”: der Track bereichert die Selection um den klassischen DJ-Style von Tippa Irie. Eine willkommene Abwechslung mit einem Artist, den man auf dieser Art Riddim nicht unbedingt erwartet hätte.

Gleich zwei Tunes gibt es von SWS-Haus-Artist Mr Glamarus: da wäre zunächst “Cyan Hold We Down”, in dem Glamarus kundtut, dass auch er nicht durch Böswilligkeiten zu bremsen ist. Sein zweiter Beitrag ist eine Combination mit Mr G (ehemals bekannt als Goofy). So lustig es auch ist, dass hier also zwei Mr G aufeinander treffen, so bedauerlich ist das Ergebnis. Die beiden hätten das Potential für eine schwungvolle Singer/DJ-Combination gehabt. Doch nachdem Glamarus seine Sängerpflicht mit dem Chorus erledigt, kommt sein DJ-Partner danach mit einer Art zweitem Chorus rein, um danach gleich wieder an Glamarus zu übergeben. Erst wenn der Tune schon weit über die Hälfte gelaufen ist, liefert Mr G dann eine kurze echte DJ-Strophe – viel zu spät für meinen Geschmack.

Mit “I M The One” ist auch Mighty Tolga mit von der Partie. Zwar macht der seine Sache ganz gut, doch gegen die Konkurrenz auf dem Riddim würde der Tune es zumindest bei mir nicht in die Selection schaffen.

Zu guter Letzt wäre da noch Don Sharicon mit seinem “Election Time”. Ich habe so eine Art Allergie gegen Patois-Tunes, denen man deutlich anhört, dass der Artist eigentlich anders spricht. Diese verhindert in diesem Fall leider, dass ich mir über den Song ein unvoreingenommenes Urteil bilden könnte.

Insgesamt liefern SWS eine sehr solide Produktion ab und setzen gerade in puncto “Anpassen des Arrangements an die jeweiligen Vocals” Maßstäbe. Die Voicings haben zwar ihre Höhen und Tiefen – aber damit kann man leben, denn auch für den “Euro Swagga” gilt: man braucht fast nie mehr als 4-5 Tunes auf einem Riddim.
Da sich die Berliner mit dieser Produktion direkt ins Fahrwasser namhafter jamaikanischer Produktionen begeben, fragt sich allerdings, ob sich der Riddim in der Flut vergleichbarer Releases behaupten kann. Die Antwort darauf möchte ich an dieser Stelle offen lassen, denn wie immer gilt: hört’s euch am besten selber an und bildet euch euer eigenes Urteil! Und wenn ihr mögt: hinterlasst eure Meinung dazu im Forum, wo jetzt schon einige ganz anderer Meinung sind als ich (gerade was den Badman Stein angeht).

Der Riddim ist bereits seit letzter Woche digital auf allen üblichen Download-Plattformen erhältlich, und auch die von buyreggae.com vertriebenen 7″-Singles sollten inzwischen fertig gepresst zum Versand bereit liegen.

Hier dann noch ein Megamix mit allen Tunes: