Dennis Brown AnthologyLetzte Woche fand ich nach einer längeren Pause mal wieder Rezensionsmaterial von VP Records in meinem Briefkasten. Es handelte sich um die neue Dennis Brown Compilation des VP-Sublabels “17 North Parade” mit dem langen Namen Reggae Anthology: Dennis Brown – Crown Prince of Reggae – Singles (1972 – 1985). Als großer Dennis Brown Fan führte ich mir das Material direkt zu Gemüte und präsentiere hier nun meine Rezension:

Wenn man weiß, wie viele Möchtegern-Best-Of-Alben und sonstige Compilations vom Crown Prince of Reggae schon auf dem Markt sind, fragt man sich zunächst: braucht es noch eine?
Ich war äußerst skeptisch, doch VP bieten mit dieser Zusammenstellung von 40 Tracks auf zwei CDs etwas, was vorher noch kein Dennis Brown Album geboten hat: einen repräsentativen Überblick, der das Schaffen des Sängers bei den vielen namhaften Produzenten, mit denen er zusammenarbeitete, zusammenfasst. Entsprechend der zeitlichen Eingrenzung im Titel wurde zwar das Material aus dem Hause Coxsone ausgeblendet, aber ab da sind sie (bis zum Beginn des digitalen Zeitalters) alle dabei: Derrick Harriott, Phill Pratt, Gussie Clarke, Niney, Joe Gibbs, Sly & Robbie, … – und natürlich finden sich auch diverse Eigenproduktionen oder Co-Produktionen wie z.B. das mit Aswad entstandene “Promised Land”.

Sicher könnte man diskutieren, dass der ein oder andere Hit aus den Jahren 1972-1985 noch fehlt. Insgesamt aber ist die Auswahl äußerst gelungen – und neben vielen bekannten Klassikern gibt es auch eine Hand voll weniger bekannter Tracks, die zurecht mit auf dieses Album durften.

Wer sich für die CD entscheidet, bekommt dazu außerdem nicht nur ein Booklet mit lesenswerten Linernotes, sondern auch noch eine Bonus-DVD mit dem Auftritt Dennis Browns beim 1979er Montreux Jazz Festival. Gebackt von Lloyd Parks souveräner “We the People Band” sieht man Dennis Brown in seinen besten Jahren. Die Videoqualität ist zwar eher “zeitgenössisch”, trotzdem ist dieses Dokument der Musikgeschichte äußerst sehenswert, so dass der geneigte Käufer gut beraten ist, die CD-Variante dem Download vorzuziehen.

Gibt es auch was zu meckern? Ein leidiges Thema bei vielen “17th North Parade”-Veröffentlichungen ist das Mastering. Es ist sicher keine leichte Aufgabe, so ein aus vielen verschiedenen Quellen zusammengefügtes Album so zu mastern, dass es am Ende klingt wie aus einem Guss – und man muss attestieren, dass dieses hier gelungen ist. Allerdings zu dem Preis, dass alle Tracks gnadenlos auf heutige Lautheits-Standards aufgeblasen wurden und vieles von der ursprünglichen Dynamik verloren gegangen ist. Das ist mag Geschmackssache sein, aber ein direkter Vergleich des Songs “Cup Of Tea” ergab, dass mir das Remastering von Blood & Fire wesentlich besser gefällt.

Wen so etwas nichts stört, dem kann man dieses Album aber nur wärmstens empfehlen. Insbesondere, wenn man mit Dennis Brown Alben bisher unterversorgt ist, kann man hier für überschaubares Geld seinen Grundbedarf decken.
Alternativ kann es sonst auch nicht schaden, sich ein paar Reissues klassischer Original-Alben zuzulegen, die es inzwischen oft ebenfalls mit ansehnlichem Bonusmaterial aufwarten können.

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