Review: zwei neue “Reggae Legends”-Box-Sets: Johnny Osbourne und Josey Wales

Reggae Legends Johnny OsbourneViel neues gibt es ja nicht mehr von Greensleeves Records: drei bis vier “Greatest Ragga Ragga Anthems”-Compilations und zwei bis drei Artist-Alben pro Jahr scheinen alles, was die Briten noch an neuem Material veröffentlichen.
Dafür sind sie umso fleißiger dabei, den Backkatalog in immer wieder neuer Aufmachung auf den Markt zu schmeißen. Oft entstehen dabei neue Zusammenstellungen, bei denen man sich fragen mag, ob es diese wirklich braucht, oder ob es nicht auch einfach eine Neuauflage der klassischen Alben getan hätte, auf denen das selbe Material schon vertreten war.

Umso erfreulicher sticht daher die Serie der “Reggae Legends”-Box-Sets aus dem Greensleeves-Recycling-Output hervor: hier spart man sich das Rekompilieren ebenso wie das Remastern und steckt vier komplette Alben eines Artists in eine Box, die es zum Preis von wenig mehr als einer regulären CD zu kaufen gibt. Für alle, die diese Alben noch nicht besitzen, ein verlockendes Angebot. Ob sich der Kauf wirklich lohnt, steht und fällt aber logischerweise mit den enthaltenen Original-Alben. Also gucken wir uns die beiden neuesten Box-Sets der Serie einmal genauer an:

Da wäre zunächst Johnny Osboure: die Box enthält die beiden Junjo-produzierten Alben Fally Lover (Originalrelease 1980) und Never Stop Fighting (1982), Water Pumping aus dem Hause Jammys (1984) sowie die Linval-Thompson-Produktion Nightfall (1981). Es finden sich also vier Werke aus der Hochzeit des Rub-A-Dub-Styles, die gleichzeitig auch den Höhepunkt von Osbournes musikalischen Schaffen markiert: nachdem er Ende der 70er-Jahre aus Kanada nach Jamaika zurückgekehrt war und sich mit dem epochalen Studio-1-Album “Truths & Rights” zurück gemeldet hatte, boten die rohen Rub-A-Dub-Riddims der frühen 80er scheinbar das richtige Backing, um seinen Gesangsstil voll zu entfalten: es entstanden Klassiker wie “No Icecream Love”, “No Lollipop No Sweet” und viele viele weitere, von denen die allermeisten in dieser Box zu finden sind. Und auch wenn Osbournes Songwriting oft nicht ganz so großartig ist wie seine Gesangskünste: im Team mit den genannten Meister-Produzenten entstanden zeitlose Werke, die man sich von Anfang bis Ende mit ungetrübter Freude durch hören kann. Gerade bei Henry “Junjo” Lawes gehören die beiden vorliegenden Alben zu dem besten, was er je produziert hat.
Zusammen mit dem unschlagbaren Preis gibt es also eine fast uneingeschränkte Kaufempfehlung. Allerdings: wer auf Qualität für wenig Geld steht, der besitzt vielleicht schon längst die 2-Alben-in-einem-CD Fally Lover & Never Stop Fighting – in diesem Fall sollte man sich die anderen beiden Alben vor dem Kauf noch mal genauer anhören, denn zumindest nach meinem Geschmack besitzt man damit schon die beiden besten dieser vier Alben und könnte das Geld lieber in das “Truths & Rights”-Album investieren, sofern man das noch nicht hat.

Reggae Legends Josey WalesDas zweite neue Vierer-Set der Serie widmet sich dem Veteran-DJ Josey Wales. Auch hier erhält man vier Alben, die auf dem Höhepunkt seiner Karriere, in den Jahren 1983-85, entstanden sind: The Outlaw (1983, produziert von Junjo), No Way Better Than Yard (1983, produziert von Josey Wales selbst zusammen mit Michael ‘Pep’ Chin vom Hightimes Label), Yellowman versus Josey Wales – Two Giants Clash (1984, Junjo), und Undercover Lover (1985, George Phang). Zumindest “The Outlaw” und “Undercover Lover” muss man attestieren, dass sie zu den besten Alben gehören, die Outlaw Wales je veröffentlicht hat. Jedoch: alles, was Josey Wales zu einer Legende macht, zu einem der besten DJs seiner Generation und einem Vorbild für viele Nachfolger, all das kommt auf seinen Studio-Aufnahmen nur ganz selten zum Vorschein. Wer Hören will, was Josey Wales so großartig macht, ist im Zweifelsfalle mit ein paar Aufnahmen von Soundsystem-Dances mit dem DJ am Mic besser bedient.
Bei dem günstigen Preis dieser Box kann man natürlich trotzdem zuschlagen. Wenn man die einschlägigen Hits wie “It A Fi Bun”, “Let Go Mi Hand” oder “Undercover Lover” alle noch nicht besitzt, bietet sich hier ein gute Gelegenheit – auch wenn man eventuell überlegen könnte, sich aus den 40 Tracks eine eigene Best-Of-Zusammenstellung zu brennen.
Aber ein Must-Have ist diese Box – im Gegensatz zur Johnny-Osbourne-Box – nicht.

Abschließend noch ein Hinweis: wer sich für solche und weitere Reissues und Re-Compilations interessiert, für den empfiehlt sich auch ein Blick in diesen Thread im Forum.