Dancehall
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Das Wort Dancehall bezeichnet in erster Linie den Ort, an dem jamaikanische Musik gespielt wird und für den sie produziert wurde. Allerdings wird Dancehall seit einiger Zeit auch als Musik-Genre aufgefasst, das sich stilistisch vom klassischen Reggae unterscheidet.
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Begriffliche Problematik und Abgrenzung zu Reggae
Da es die Dancehall und die dazugehörigen Soundsystems schon seit den 50ern gibt, fällt die Abgrenzung zu Reggae im Allgemeinen schwer bzw ist nicht möglich. Oft wird die digitale Produktionsmethode als stilistischen Wendepunkt von Reggae zu Dancehall gesehen. Teilweise wird auch anhand der Texte getrennt - "harte" Lyrics wie Slackness und Gun-Lyrics seien demnach eher dem Dancehall zuzuordnen. Obsolet wird diese Definition spätestens ab den 90er Jahren, als wieder Conscious-Texte Einzug in digitale Produktionen hielten; gleichzeitig werden analoge Produktionen deutlich präsenter. Zudem entwickelte sich der Ragga oder Raggamuffin, der stilistisch nur schwer mit frühen Dancehall-Produktionen zu vergleichen ist, aber auch gängig so bezeichnet wird; in England ist dafür zudem die Bezeichnung "Bashment"geläufig.
Wir folgen der Literatur (Barrow & Dalton 1997), die historisch trennt und den Beginn von Dancehall in den späten 70er bzw. frühen 80er Jahren ansetzt. Aber auch diese Unterscheidung ist umstritten. Normal Stolzoff setzt den historischen Beginn in die Zeit der Sklaverei. Gleichzeitig soll dieser Artikel einen Schwerpunkt auf digitalen Produktionen haben.
Historische Entwicklung
In den späten siebziger Jahren lassen sich musikalische und inhaltliche Veränderungen im Reggae beobachten, die wohl mit gesellschaftlichen Verschiebungen in Jamaica zusammengedacht werden können.
Musikalisch treten zunehmend Kompositionen und Produktionen mit stark repetitivem Charakter auf. Der Steppers- und Rockers-Sound tritt zugunsten langsamer, häufig auf nötigste Instrumentierung reduzierter Riddims in den Hintergrund. Als Initialzündung wird häufig das von Henry 'Junjo' Lawes produzierte Barrington Levy-Album "Bounty Hunter" aus dem Jahr 1979 angesehen. Zur stilprägenden Backingband entwickeln sich die Roots Radics um Bassist Errol 'Flabba' Holt und Schlagzeuger Style Scott.
Inhaltlich treten verstärkt Slackness-Texte neben spirituell oder sozialkritisch motivierte Lyrics, dargeboten von einer neuen Generation von DJs wie General Echo oder Yellowman, die ihre Vorgänger ablösen und das anbrechende Jahrzehnt zunächst bestimmen.
80s Dancehall
Die frühen 80er Jahre stehen im Zeichen des sich entwickelnden Dancehall-Sounds, häufig auch als Rub-A-Dub bezeichnet.
Etwa ab der Mitte der 80er beginnt die Digitale Ära im Reggae. Die Produktionen gewinnen wieder an Tempo, die neuen Produktionsmethoden resultieren in einem neuartigen Sound. Vermutlich mit dem sehr erfolgreichen "Punaany"-Riddim aus dem Hause Jammys im Jahr 1986 erhält zudem eine abgehackte Beat-Struktur Einzug, die in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zu einem der dominierenden rhythmischen Schemata wird. Das Deejaying wird stilistisch ausgefeilter und schneller, vermutlich mitbeeinflusst durch den "Fast Chat"-Stil englischer DJs wie etwa Papa Levi.
90s Dancehall
Musikalisch lassen sich für die frühen 90er Jahre zwei wichtige Trends ausmachen. Einerseits treten nochmals beschleunigte, reduzierte Digital-Riddims auf; teilweise wird, in Anlehnung an den Buju Banton-Hit "Bogle" aus dem Jahr 1991, vom Bogle-Stil gesprochen. Andererseits kommt es jedoch auch musikalisch wie textlich zu einer Rückorientierung zum Roots-Reggae, eine Bewegung die als Cultural Riddim Shift bezeichnet wird. DJs wie der erwähnte Buju Banton verfeinern den DJ-Stil weiter und bereichern ihn zunehmend um melodiöse Elemente.
Gegen Mitte bzw. Ende der 90er werden die digital produzierten Dancehall- oder Bashment-Riddims ausgefeilter und vertrauen verstärkt auf vom HipHop oder R&B beeinflusste Sampling-Techniken. Durch die vortschreitende Diversifikation des Genres wird eine Abgrenzung zu anderen Reggae-Strömungen zunehmend schwierig.
The New Millennium
Wichtige Künstler
Sänger und DJs
- Barrington Levy
- Beenie Man
- Bounty Killer
- Buju Banton
- Capleton
- Cocoa Tea
- Junior Reid
- Lady Saw
- Lieutenant Stitchie
- Sizzla
- Spragga Benz
- Sugar Minott
- Super Cat
- Terror Fabulous
- Tiger
- Wayne Wonder
- Yellowman
Produzenten
Literatur und Ressourcen
- Barrow, Steve & Dalton, Peter - Reggae. The Rough Guide, London 1997
- Stolzoff, Norman - Wake the Town and Tell the People. Dancehall Culture in Jamaica, Durham und London 2000

