Soca

aus DhmWiki, der freien Wissensdatenbank

Soca bezeichnet karibische Karnevalsmusik. Mutterland des Soca ist Trinidad und Tobago, allerdings ist die Musik auf allen englischsprachigen kleinen Antillen heimisch, oft vermischt mit lokalen Liedtraditionen. Das Musikgenre entstand aus dem Calypso durch die Mischung mit indischen Stilelementen. Das spiegelt sich auch im Begriff Soca (So- von CalypSO, -Kah ist die erste Silbe im indischen Alphabet). Mehr zur Begriffsgeschichte siehe unten.

Wegen der Verknüpfung mit dem Karneval findet Soca sehr saisional statt. Allerdings sind die Karnevals in der Karibik über das ganze Jahr verteilt, so dass fast laufend veröffentlicht wird.

Inhaltsverzeichnis

Historische Entwicklung

Soca ist nicht neu, sondern schaut auf eine sehr lange und reiche Tradition zurück. Schon im 19. Jahrhundert bildet sich aus den Kampfgesängen der Stickfighter eine Liedtradition heraus, die dann mit dem Wechsel ins 20. Jahrhundert Calypso genannt wurde. Um diese Zeit herum verwob sich die Musik untrenntbar mit dem karibischen Karneval. Wurde der Sound zwar immer wieder von den verschiedenen musikalischen Strömungen beeinflusst, so blieb er in seinem Kern gleich. Wie ein roter Faden zog sich die bilderreiche und oft freche Texttradition durch die Jahrzehnte.

Mit der Entwicklung in der Studiotechnologie und dem US-Discosound kam es in den 70ern auch im Calypso zu einem Paradigmenwechsel: Die Musik wurde nicht nur aufwendiger produziert und nahm gegenüber dem Text eine gleichberechtigte Funktion ein, sondern gewann auch an Geschwindigkeit und Härte. Dank der Vermengung mit indischen Elementen - die Hälfte der trinidadischen Bevölkerung ist indischstämmig - gab man dem neuen Sound auch einen gemischten Namen: Soca (So- von CalypSO, -Kah ist die erste Silbe im indischen Alphabet). Eine andere Erklärung besagt, dass sich Soca aus "Soul of Calypso" zusammensetzt. Die aktuelle Forschung neigt allerdings zur ersten Erklärung.

Als erster Soca-Tune gilt "Indrani" (1973) von Lord Shorty (der sich später Ras Shorty I nannte).

Der indische Einfluss macht sich in Instrumentierung (Dhol- und Tabla-Trommel etc.) und Rhythmus-Patterns bemerkbar. Von Indern gesungener Soca, der sog. Chutney Soca, wird meist in Hindi gesungen und ist eher eine Mischung mit indischer Film-/Popmusik.

Zwar werden auch die traditionellen Genres des Calypsos wie social/political commentary, humorous, jump'n'wine übernommen, die jedoch mit dem neuen Schwerpunkt auf Musik ein Teil des lyrischen Reichtums verlieren. Wie schon beim Calypso der 50er und 60er Jahre, kamen in den 80er- und 90er-Jahren die internationalen Soca-Hits von den an den US-Markt angepassten Produktionen, bspw. "Hot Hot Hot" von Montserats Gruppe Arrow oder "Who let the dogs out" von den Bahamen. Ähnlich wie bei "Rum and Cola" von Invader in den 40ern, das von den Andrew Sisters interpretiert ein großer Hit in den USA wurde, waren die ursprünglichen Komponisten der Songs die Betrogenen.

Aktuelle Entwicklung

Da außerhalb der Karnevalssaison der Inselstaat von jamaikanischem Reggae beherrscht wird, war es nur logisch, dass sich der Sound auch irgenwann im Soca niederschlug: Trinidadische Künstler, die natürlich mit einer auf 1-2 Monate beschränkten Saison kaum wirtschaflich überleben können, schufen so den Ragga Soca, also Soca mit jamaikanischem Sprechgesang. Getragen wurde die neue Bewegung Ende der 90er von Künstlern wie Machel Montano, KMC oder Bunji Garlin. Obwohl Soca nach wie vor von Brass Bands, also kleinen Big Bands geprägt wird und wurde, gibt es eine Tendenz zu mehr Riddim-orientierter Produktion.

Sahen viele Kritiker den "wahren" Soca durch den jamaikanischen Einfluss schon im Sterben, so geht der stilistische Transfer momentan den anderen Weg: jamaikanische Produzenten wie Lenky bedienen sich bei Soca, und die Reggaeriddims werden zusehends schneller.

Um die selbe Zeit und auch mehr oder weniger damit verwoben entsteht mit Machel Montano Ende der 90er eine härtere Jump-up Form der Musik. Als Initialtunes dürften wohl "Footsteps" und vor allem "Big Truck" gelten, die auch beide Roadmarch in Trinidad wurden (1997 bzw. 1998).

Generell scheint momentan die Entwicklung zu ungunsten der Brass Bands, in den 80ern und 90ern Hauptträger der Musik, zu verlaufen. Darauf weist hin, dass es zunehmend digitale Produktionen gibt. Auch hat man den Eindruck, dass Solokünstler-Alben mehr und mehr die Band-Alben verdrängen.

In Trinidad gibt es seit den letzten beiden Jahren eine Gegenbewegung, in der traditionelle Stilelemente wieder stärker werden.

Regionale Entwicklungen

Barbados

Calypso war schon in den 20er Jahren von Trinidad nach Barbados gelangt, konnten sich jedoch nur sehr langsam etablieren. Nach der Wiedereinführung des Cropover-Festivals im Jahr 1974 wurden jedoch mit diesem auch Calypso-Wettberwerbe wie Pic-O-De-Crop etabliert, welche die Popularität von Calypso sprunghaft verstärkten. Die gleichzeitige musikalische Entwicklung des Calypso hin zu Soca in Trinidad beeinflusste auch die Musik aus Barbados in ähnlicher Weise.

In den neunziger Jahren wurde von Artists wie Red Plastic Bag und Alison Hinds der Ragga Soca entscheidend mitentwickelt.

Dominica

Calypso und Steelpan-Musik waren in Dominica Mitte des 20. Jahrhunderts populär geworden. In den 70ern entwickelten Bands wie Exile One den sog. Cadence-lypso, der Calypso-Elemente mit solchen von Zouk und Kompas aus Haiti verknüpfte. Ende der 80er kreierten dann WCK aus Cadence-lypso, Soca und Jing Ping den neuen Bouyon-Sound, der seitdem die Entwicklung der dominicanischen Musik entscheidend mitbestimmt.

St. Kitts

Der Carnival in St. Kitts (jährlich kurz nach Weihnachten) geht zurück ins 19. Jahrhundert. Musikalisch begleitet wurden die Feierlichkeiten traditionell von String Bands und Big Drum-Bands. Um 1950 herum kamen zudem Iron Bands und Steelpan zu großer Popularität. Der dadurch entstandene stark perkussive Charakter von Calypso und speziell Soca ist bis in die heutige Zeit der Musik aus St. Kitts anzuhören, beispielsweise bei Bands wie Nu Vybes oder Small Axe. Ein weiterer Einfluss waren dann die ab den 60ern verstärkt aufkommenden Brass Bands. Zu nennen ist hier vor allem G.I.'s Brass, die Band von Sänger Ellie Matt.

International Bekannte Artists

Wichtige Veröffentlichungen

Mit die wichtigsten Tunes sind sicherlich die Roadmarches. Darüber hinaus dürften folgende Songs und Veröffentlichungen eine Wirkung über den Carnival hinaus haben, sei es als stilbildend, wegen internationalen Erfolgs oder anderer Faktoren:

Literatur

  • Mason, Peter (1999): Bacchanal. The Carnival Culture Of Trinidad. Temple University Press.
'Persönliche Werkzeuge